RAGE – IRON SAVIOR – TRI STATE CORNER: Die „Metal-Sause 2021“ in Hademarschen (26.11.2021)

Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Von daher lädt der HADEMARSCHER HOF erneut zum dritten Event innerhalb eines Monats. Am 30.10.2021 feierte man hier schon u.a. mit OZZYFIED Halloween und am 05.11.2021 zog das zweite Event mit GRAVE DIGGER nach. Heute waren RAGE auf dem Servierteller der Gaststätte und als Support gesellten sich dazu IRON SAVIOR und TRI STATE CORNER.

Schon im Vorwege war durch Kommentierungen auf den Social-Media-Kanälen klar, dass der Abend heute gut besucht sein dürfte, denn es gab coronabedingt natürlich ein limitiertes Kontingent an Tickets.

Da der Hademarscher Hof in erster Linie ein gemütlicher Landgasthof ist, bietet es sich natürlich auch noch an, die leckeren Speisen oder aber Buffets zu probieren. So gibt es donnerstags immer ein leckeres Schnitzelbuffet, freitags ein Fischbuffet und samstags das Grillbuffet. Auch vor den jeweiligen Konzerten können sich die Besucher am aufgebauten Buffet gegen kleines Entgelt kulinarisch stärken.

Schon bei Anreise von der Autobahn (A23) kommend, zog auf der Landstraße eine längere Autokolonne ins muggelige Hanerau-Hademarschen, mitten im Herzen Schleswig-Holsteins. Die Signallichter am NOK (wie wir Norddeutschen liebevoll unseren Nord-Ostsee-Kanal betiteln) tauchten in der Dunkelheit auf und schon wusste man, gleich sind wir da. Um 19:00 Uhr sollte Einlass sein. Viele wollten vorher aber noch vom Buffet schnabulieren, so vermute ich, denn die Parkplätze des Gasthofes waren komplett besetzt. Nun gut, schnell mit dem Auto auf einen naheliegenden Parkplatz und mit einem kleinen Fußweg von 5 Minuten bin ich auch schon am Ziel. Am Hintereingang (einmal durch den Biergarten) ist der Check-In. Die Securities verlangen freundlich nach unseren Impfnachweisen und dem Personalausweis. Alle Veranstaltungen des Hademarscher Hofes werden unter der 2G-Regelung durchgeführt.

Schön eingereiht, mit dem nötigen Abstand, geht der Einlass flott voran. Am zweiten Checkpoint gibt es das grüne Einlassbändchen um das Handgelenk und zack, schon ist man in der Gaststube. Es riecht hier noch so lecker nach Essen, zu gerne würde ich jetzt … aber nein, es ist Zeit, schließlich soll der Opener um 19:30 starten. Durch eine weitere Tür und einen kleinen Flur, schon bin ich in der neuen „Music-Hall“ des Nordens. Der Konzertsaal war in früheren Jahren einmal ein Kino. Auch heute wieder – wie auch an den Eventabenden zuvor – schmückt eine stimmungsvolle Beleuchtung den Saal, die Leute stehen an aufgestellten Bistro-Stehtischen gemütlich beieinander. Man trinkt ein kühles Bierchen oder auch etwas anderes und unterhält sich angeregt. Zur Linken und zur Rechten: Ganz viele Leute, die man kennt. Das ist ja fast wie ein Familientreffen. Bekannte Gesichter aus Lübeck, Kiel, dem Kreis Pinneberg, Itzehoe, Heide, Hamburg und sogar aus Bremen waren angereist. Wahnsinn! Ich muss sagen, ich fühle mich hier sauwohl, es fehlt einfach an nichts. Sogar die „3-Liter-Biersäule“ zum Selbstzapfen am Tisch ist wieder im Einsatz.

19:50 Uhr – Als Opener gibt es heute Abend die Band TRI STATE CORNER. Mir bis dato gänzlich unbekannt. Erstaunt aber zugleich bin ich, als da nun Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos, der Drummer von RAGE am Micro vor mir steht. Bouzouki-Rock machen sie, so heißt es – und eine solche Bouzouki hält Lucky´s Bruder, Ioannis Maniatopoulos, in der Hand. Der Drummer von TRI STATE CORNER ist Christos Efthimiadis, und dieser ist wiederum Ex-Drummer von RAGE. Und die Band an sich gibt es auch schon sage und schreibe 17 Jahre, erzählt Lucky nun gerade. 

Schon beim ersten Song „Faster“ haben wir einen schönen Einstieg mit den Klängen der Bouzouki. Sie ist innerhalb der weiteren Songs immer ein stark prägender Teil und somit bringen die Brüder Maniatopoulus ihre griechischen Wurzeln musikalisch in die Stücke mit ein. Auf der anderen Seite – als Gegenpart zur Bouzouki – erleben wir Christoph “Brat” Tkocz an der Gitarre. Auch hier immer wieder in den Songs starke Gitarrenparts. Der Bass (also zumindest physisch) fehlt heute auf der Bühne. Aber das nur am Rande, denn all die anderen Instrumente bringen genau das mit, was die Songs brauchen. Größtenteils spielt die Band heute Songs ihres Ende Dezember 2021 erscheinenden Albums „Stereotype“. Genau genommen ist es ab 31.12.2021 im Handel erhältlich. Mit der super schönen Nummer „Run Away“ haben mich TRI STATE CORNER dann komplett erreicht. Aber auch andere Songs, wie beispielsweise „Sleepless“ (vom Album „Historia“) große Klasse. Dieses Wechselspiel zwischen Rock und griechischem Folklore, einfach toll und es ist alles stimmig. Zwischendurch präsentiert Lucky noch eine kleine Einlage an der Djembe.

Meine Pressekollegen, aber auch unwahrscheinlich viele Gäste, mit denen ich sprach, waren schwer begeistert von TRI STATE CORNER – genauso wie ich es auch war. Einige steuern gleich nach dem Slot den Merch-Stand an und decken sich mit ihren Alben ein. Ehrlich gesagt, hätte ich noch eine Weile länger zuhören können. Aber auch der Zwischengang muss drankommen und von daher gibt es eine kleine Pause, in der man schnell etwas trinken geht oder im überdachten Außenbereich kurz eine Zigarrette raucht – Zeit für Klönschnack.  

Setlist TRI STATE CORNER: Faster / Nothing At All / Free Prison / Schemer / Sooner or Later / Sleepless / Hypocrisia / Run Away / Tomorrow Land / Morbid Fascination / Daydreamer / Stereotype

Als Nächstes stand nun Power Metal auf dem Speiseplan des Landgasthofes. Zweiter Einheizer des Abends sind IRON SAVIOR aus Hamburg. Im Jahre 1996, somit vor 25 Jahren, gründete Piet Sielk die Band – seinerzeit noch mit Kai Hansen. 13 Studioalben zieren ihre Diskografie und 2020 veröffentlichten sie ihr aktuelles Album „Skycrest“. Deutlich erkennbar: Die Hamburger haben einige Fans im Publikum. Den Auftakt macht „Way of Blade“. Mit diesem Song geht es gleich in die Vollen. Nun wird als zweiter Song „Kill Or Get Killed“ angeschlagen. Mit einem Mal stoppt Piet und hält inne. Irgendwie sei man gerade nicht so im Takt zusammen. „Da müssen wir noch einmal anfangen, geht ja so nicht“, raunt der Frontmann (natürlich mit einem Zwinkern). Ein paar Passagen gespielt, wieder wird angehalten. Beim dritten Mal klappt es dann, diesmal rockt die Nummer bis zum Ende durch. Wie auch bei ihren Auftritten anderswo, gibt es immer eine kleine witzige „Kappelei“ zwischen Piet und Jan. Das kennt man aber und gehört mittlerweile irgendwie zum Teil der Show. Das Publikum feiert diese kleinen Aktionen zwischen den melodisch fetzigen Songs, die mehr oder minder irgendwie immer in anderen „Galaxien“ entstanden sind und in denen sich irgendwie alles um Science-Fiction dreht. Dies von jeher, da Piet ein Sci-Fi-Fan ist und diese Leidenschaft wurde dann eben in Alben verarbeitet. Ich persönlich finde den „Souleater“ vom aktuellen Album richtig klasse, aber auch die Priest-Cover-Nummer „Breaking The Law“ geht immer. „Heavy Metal Never Dies“ lässt noch einmal richtig die Metalkrallen empor steigen und nach 12 Songs wird Platz gemacht für die Hauptakteure des Abends. 

Setlist IRON SAVIOR: Way of Blade / Kill Or Get Killed / Souleater / Skycrest / Hall Of The Heroes / Thunder From The Mountains / Stand Up And Fight / Starlight / Heavy Metal Never Dies / Atlantis Falling / Breaking The Law (Judas Priest Cover) / Gunsmoke 

RAGEEine kurze Umbaupause und um 22:30 Uhr geht jetzt weiter mit dem Hauptgang des Abends. Auf den Bühnenbrettern vor mir stehen nun Jean Bormann (Gitarre), Stefan Weber (Gitarre), Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos am Schlagzeug und natürlich am Micro und Bass the one and only Peter „Peavy“ Wagner. Seit 2020 steht man mit RAGE nun wieder zu viert auf der Bühne. Viele Jahre liefen RAGE als Trio, nur zu Anfangszeiten gab es eine Viererbesetzung. Passend zur derzeitigen „Resurrection Day Tour“ startet die Band auch mit gleichnamigen Titelsong. Das neue Album kann ich jedem wärmstens ans Herz legen. Hier wurde nach Jahren noch einmal eine richtig geile Scheibe geschaffen mit einigen Hammersongs. Die Stimmung jetzt bei RAGE zu späterer Stunde im Hademarscher Hof ist schon nach dem ersten Song „on top“. Links und rechts neben Peavy agieren headbangend Jean und Stefan an den Gitarren. Mit „End Of All Days“ bekommen wir nach einer kurzen Weile schon den ersten Klassiker vergangener Alben kredenzt. Immer wieder kommt Jean auf den kurzen, sagen wir einmal „Catwalk“ der Bühne und animiert mit Gitarre und sexy Posen das Publikum. Im Hintergrund sehen wir nun – wie eben auch seit 2015 gewohnt – Lucky die Drumsticks schwingen. Als nun noch vom 99er Album „Ghost“, „Back In Time“ gespielt wird, zeigen sich die Schleswig-Holsteiner komplett textsicher. „Die Nummer mochtet Ihr jetzt, nicht wahr?“ fragt uns Peavy gerade und ja natürlich, die war jetzt richtig gut und man fühlt sich irgendwie gleich wieder jünger – so gut 23 Jahre 😉 Nach „Virginity“ vom aktuellen Album, geht es nahtlos über zu „Straight To Hell“, der Nummer, die richtig populär wurde durch den Bully Herbig Film „Schuh des Manitou“.  Alles in allem erleben wir gerade eine Zeitreise durch 37 Jahre Bandgeschichte. Einfach genial, wie ein „Best Of“. Das Publikum saugt am heutigen Abend irgendwie all die Impressionen, die Musik, das Visuelle „on stage“, förmlich auf.

Es ist die Heavy Metal Sause schlechthin und irgendwie steht man hier zwar mit gut 280 Gästen, aber es ist dennoch heimelig und intim. Auch die Protagonisten auf der Bühne sind, so habe ich den Eindruck, voller Energie, teils berührt und haben jede Menge Spaß. Es ist einfach alles anders in diesen Zeiten und von daher wird dieser Abend für alle Seiten zu etwas Besonderem. Kurz vor Mitternacht verabschieden sich dann RAGE mit ihren – wie ich finde – immer noch stärksten Nummern „Don´t Fear The Winter“ und „Higher Than The Sky“, die natürlich auch zum Mitsingen animieren. Kurz vor Mitternacht geht das Saallicht an, die Band verabschiedet sich überglücklich, aber man ist auch kaputt gerockt. Backstage wird vermutlich noch weiter gefeiert, denn am Samstag, also gleich, hat Jean Geburtstag. Wäre er noch einen kleinen Moment auf der Bühne geblieben, hätten die Nordlichter sicherlich noch „Happy Birthday“ gepfiffen. Ein grandioser Abschluss eines komplett tollen Eventabends, der von einigen noch auf der Aftershowparty weiter celebriert wird. Für mich geht es nun durch norddeutsches Schnuddelwetter beseelt nach Hause. Im Auto läuft noch das neue „Resurrection Day“ Album. Schön war es einfach!

Setlist RAGE: Resurrection Day / Let Them Rest In Peace / Shadow Out Of Time / End Of All Days / My Way / Back In Time / Black In Mind / Virginity / Straight To Hell / Monetary Gods / Chasing The Twilight Zone / From The Cradle To The Grave / A New Land / Don´t Fear The Winter / Higher Than The Sky 

Fazit des Abends: Einfach alles rundum gelungen! Ich kann wirklich an keiner Stelle meckern, was ich sonst auch gerne mal mache, wenn etwas nicht gefällt. Schon von den vorherigen beiden Events hier im Hademarscher Hof wurde geschwärmt, von daher habe ich es mir natürlich auch anschauen wollen. Dadurch, dass die Corona-Zeit gerade musikalisch gesehen oder allgemein kulturell, eine große Lücke bei vielen hinterlassen hat, war dieser Abend „Seelenbalsam Deluxe“. Hier im Hademarscher Hof gibt es einfach alles, was ein guter Eventabend benötigt. Gutes Essen, Getränke, geile Bands, freundliches Personal und ein starkes Veranstalter-Team, nämlich Susanne und Frank Olschewski. 

Natürlich spricht man während und nach einem Konzert mit anderen Pressekollegen oder auch Gästen; das Feedback ist aber immer gleichbleibend gut, bis hin zur totalen Begeisterung. Schon jetzt flüstert man mir von Veranstalterseite zu, dass am 12.03.2022 dort DIZZY MIZZ LIZZY & JESPER BINZER spielen werden und auch ROSS THE BOSS oder aber SODOM geplant sind. Es bleibt ´von daher absolut spannend.

Allemal werden wir vom NIC – NordMensch in Concerts Magazine auf jeden Fall wieder dabei sein. Wir sehen hier eine Unmenge an Potential, das noch ausgeschöpft werden kann und vielleicht „nach Corona“ auch vollends ausgeschöpft wird. Also, Hademarschen – man sieht sich wieder – unbedingt! Alle, die noch nicht hier waren, sollten künftig schauen, was im kommenden Jahr noch alles dort passieren wird. Guckt einfach immer wieder einmal auf die Seite des Ballroom Hamburg (Booking) oder aber direkt auf die Seite des Veranstalters, dem HALL OPERATION FESTIVAL. Seid einfach demnächst ein Teil davon – es lohnt sich wirklich!

Berichterstattung: Stefanie Preuß 

PhotoCredits: Dirk Jacobs u. Stefanie Preuß

 

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