Ausverkauft in die Tiefen des Ozeans: FUTURE PALACE auf Deep Blue Tour im FAUST Hannover (16.10.2026)
Im Moment gehören Future Palace wohl zu DEN aufstrebenden Bands in der deutschen Metalcore/Post-Hardcore Szene. Die 2018 gegründete Berliner Band war in den letzten Jahren nahezu unablässig unterwegs – Tour, Album, Tour, noch eine Tour, noch ein Album. So überrascht es eigentlich nicht, dass das Konzert in der 60er Jahre Halle des Kulturzentrums FAUST in Hannover an diesem Abend ausverkauft ist. In den letzten Jahren hat das Trio aus der Hauptstadt schließlich unablässig gearbeitet, war viel auf Tour, hat zwei Alben veröffentlicht – das aktuellste, Resurgence, ist frisch Ende Juli erschienen – und dabei sicherlich jede Menge neue Fans aufgesammelt. Zusätzlicher „Publikumsmagnet“ des Abends: mit As Everything Unfolds und Luna Kills als Support haben Future Palace ein unfassbar starkes Line-Up aus Female Fronted Bands zusammengestellt. Das verspricht gerade für junge Frauen ein empowernder Abend zu werden, und tatsächlich ist die Frauenquote an diesem Abend auch sehr hoch. Es fühlt sich fast ein bisschen nach einem Safer Space an.
Den Abend eröffnen um halb sieben Luna Kills. Die finnische Modern Metal Band mit der unfassbar charismatischen, im Jazz ausgebildeten Frontfrau Lotta Ruutiainen hat sich bei ihrer Tour mit Bloodred Hourglass im vergangenen Jahr einen festen Platz in meinem Herzen erarbeitet, denn ihre Liveshows sind absolut umwerfend. Im Set sind einige Songs mit Ohrwurmpotential: Love U hat einen so eingängigen Chorus, dass selbst jene, die Luna Kills zum ersten Mal erleben, schon beim ersten Hören mitsingen können. Ähnlich verhält es sich bei der aktuellsten Single supervillain. Besondere Höhepunkte des etwa dreißigminütigen Sets sind jedoch Slay Ur Enemies, bei dem Sängerin Lotta eine solche Girl Boss-Energie ausstrahlt, dass man sich nur ungern mit ihr anlegen möchte, und Fever Dream, bei welchem sie größtenteils solistisch mit unglaublicher Stimmgewalt und Ausstrahlung überzeugt. Tatsächlich gehen Gitarrist Samuli Paasineva, Bassist Lassi Peltonen und Schlagzeuger Jimi Kinnunen angesichts der gewaltigen Ausstrahlung von Lotta Ruutiainen beinahe unter. Die erst 2019 gegründete Band versteht sich definitiv auf Performance. Eingängiger Sound, Stimmgewalt und eine starke Präsenz überzeugen vollends. Luna Kills sind ein Warm-Up der Extraklasse und es ist fast schade, dass sie als Opener nur einen 30 Minuten-Slot zur Verfügung haben. Auch im Publikum stimmt die Stimmung und schon während des Openers entstehen die ersten Moshpits.
Setlist Luna Kills:
1) Deep Cuts – 2) Love u – 3) Slay ur enemies – 4) Supervillain – 5) Lower – 6) Fever Dream – 7) Leech
Viel Zeit zum Bedauern bleibt jedoch nicht: nach einer ungewohnt kurzen Umbaupause von einer knappen Viertelstunde übernehmen
gegen Viertel nach sieben As Everything Unfolds die Bühne. Die englische Band um Frontfrau Charlie Rolfe steht dem Opener in Sachen Performance in nichts nach: Rolfe bringt ein ähnliches Level an Ausstrahlung und Stimmgewalt mit wie Ruutiainen zuvor. Was ebenfalls ins Auge sticht, ist der offensichtliche Spaß, den As Everything Unfolds auf der Bühne haben. Nicht nur Charlie Rolfe tanzt energiegeladen über die Bühne. Auch Gitarrist Adam Kerr und Bassist George Hunt sind unfassbar aktiv auf der Bühne, interagieren miteinander, tanzen umeinander und haben so eine offensichtliche Freude daran, auf der Bühne zu stehen und ihre Musik zu präsentieren, dass einem beim Betrachten das Herz aufgeht.
Das Set von etwa 40 Minuten ist ein guter Mix durch die bisherige Discographie der Briten. So kommen der Opener Denial und das folgende Set In Flow vom aktuellsten Album Did You Ask To Be Set Free?, welches dieses Jahr im April erschienen ist. Es folgen einige Songs des Vorgängers Ultraviolet – inklusive dem Titeltrack des Albums – und mit dem Abschluss On the Inside ist auch das Debütalbum Within Each Lies the Other vertreten. Ganz besonders gute Stimmung herrscht beim powervollen Ohrwurm Gasoline. Und auch bei As Everything Unfolds tobt der Moshpit ordentlich. Es ist heiß in dem kleinen, vollgepackten Club, es ist verdammt eng und die Stimmung ist verdammt gut. Es kristallisiert sich heraus, dass Future Palace bei der Wahl der Support Acts ein sehr feines Händchen bewiesen haben.
Setlist As Everything Unfolds:
1) Denial – 2) Set in Flow – 3) Twilight – 4) Flipside – 5) What You Wanted – 6) Gasoline – 7) Ultraviolet – 8) On the Inside
Schließlich dauert es nur eine weitere knappe Viertelstunde, bis um kurz nach acht das Intro erklingt und Future Palace mit Deep Blue, dem Titeltrack ihrer Tour, den Abend eröffnen. Das ist direkt ein energiegeladener Auftakt, welcher das Publikum vom ersten Ton an mitreißt. Sängerin Maria Lessing überzeugt nicht nur mit ihrer Stimmgewalt, sondern auch mit ihrer energiegeladenen und extrem gefühlvollen Performance. Future Palace sind eine Band mit einer Message: Mentale Gesundheit spielt in ihrer Musik eine zentrale Rolle und so geht Maria Lessing gewohnt offen damit um, dass sie und viele Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld von psychischen Problemen wie Depressionen oder ADHS betroffen sind. Ihre Offenheit bezüglich dieses Themas schafft neben einer gewissen Verletzlichkeit auch eine Authentizität, die für mich persönlich Shows dieser Band noch weiter zu einem Safer Space werden lassen, die mich aber auch jedes Mal emotional ziemlich mitreißen. Auch durch diesen Abend schaffe ich es nicht mit trockenen Augen.
Der Fokus des Sets liegt klar auf dem neuen Album Resurgence, von dem es ganze 10 Tracks in die Setlist schaffen. Einige davon, wie Cyclone oder Resurge, sind mitreißend und energetisch wie eben ein Sturm. Andere, wie die an Maria Lessings kleine Schwester gerichtete Ballade Tidal Waves, sind zutiefst emotional und berührend. Lessing streut immer wieder Anekdoten rund um die Entstehung der Songs ein, so erzählt sie zum Beispiel davon, wie sie Ebb and Flow – einen Song, in dem sie ihr Imposter Syndrom aufgreift – auf der Akustikgitarre geschrieben habe. Durch diese Moderationen wird der Abend ein ganzes Stück intimer und persönlicher. Das Publikum dankt es mit Offenheit, mit Applaus und Jubel und natürlich auch mit Mosh- und Circle Pits, die sich sehen lassen können. Wirkte die Luft im Club während As Everything Unfolds schon ein paar Grad zu warm, haben wir mittlerweile beinahe Sauna-Niveau erreicht.
Ein absolutes Highlight des Abends ist sicherlich The Echoes of Disparity, eine Abrechnung mit einer patriarchal geprägten, nach wie vor ziemlich frauenfeindlichen Welt, zu der sich Charlie Rolfe noch einmal auf die Bühne gesellt. Das Duo aus Rolfe und Lessing wirkt eingespielt, als würden sie bereits seit Jahren miteinander touren und es gab selten eine überzeugendere Verkörperung von „Female Rage“ auf einer Bühne als die beiden Sängerinnen.
Schließlich finden sich auch ein paar Future Palace Klassiker im Set, wie der Mithüpf- und Tanzsong Defeating Gravity oder die finale Headbang-Hymne Malphas. Dieser wird von Maria Lessing als der letzte Song im Set angekündigt, denn das Getue des mittlerweile klassischen von der Bühne gehens und für eine geplante Zugabe zurückkommens wolle man sich sparen. 17 Songs und viele Emotionen später ist der Abend vorbei, der Saal leert sich allmählich und was zurückbleibt, ist das Gefühl, dass ich viel zu selten Future Palace sage, wenn mich jemand nach meiner Lieblingsband fragt.
Setlist Future Palace:
1) Deep Blue – 2) The Shades – 3) Uncontrolled – 4) Ebb and Flow – 5) Supernova – 6) The Echoes of Disparity (feat. Charlie Rolfe) – 7) Nixy – 8) Heads Up – 9) Cyclone – 10) Resurge – 11) Disintegrate – 12) Tidal Waves – 13) Nightfall – 14) Defeating Gravity – 15) Paradise – 16) Dead Inside – 17) Malphas
Berichterstattung / PhotoCredits: Olivia Zöllner


