Eine unglaubliche Energie: The Narrator im Club Volta Köln (10.10.2026)
An manchen Tagen fällt es wirklich schwer, sich für eine Sache zu entscheiden. So auch im Voraus in Bezug auf diesen milden Oktober-Samstag mit wundervollem Wetter, an dem in Köln gleich zwei Bands mit vermutlich ziemlich ähnlicher Zielgruppe in beinahe unmittelbarer Nachbarschaft spielen: Während im E-Werk Future Palace zu sehen sind, ist im deutlich kleineren, aber restlos ausverkauften Club Volta eine derzeit aufstrebende Post-Hardcore Band zu Gast, die ebenfalls jede Menge Spaß verspricht: die Fast-Lokalmatadoren The Narrator aus Essen stellen ihr neues Album Phosphor vor. Es wird heiß, es wird eng und es wird wild.
Auch das Vorprogramm kann sich sehen lassen: Den Auftakt machen Impvlse aus Nürnberg. Die 2017 gegründete Band, die bisher zwar 4 EPs, aber kein Album veröffentlicht hat, ist dem Publikum definitiv nicht unbekannt. Gerade in den vordersten Reihen vor der Bühne ist das ein- oder andere Impvlse-Merch zu sehen. Und tatsächlich überzeugen sie von Beginn an: Mit bombastischem Sound und einer fast ein bisschen mystischen Performance sorgen die Nürnberger recht schnell dafür, dass die Temperatur im Raum steigt. Auch der Moshpit wird zeitnah eröffnet, wenn auch noch beinahe etwas zögerlich. Das 30-minütige Set ist kurzweilig, die Songs sind sehr eingängig und obwohl ich selbst zugegebenermaßen angesichts der steigenden Anzahl an Bands, die As und Us in ihren Bandnamen durch Vs ersetzen, mittlerweile Schwierigkeiten habe, all die V-Bands auseinanderzuhalten, kann ich nach 30 Minuten mit Sicherheit sagen, dass Impvlse bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Für Freunde eher melodischen Metalcores mit progressiven Elementen sind Impvlse definitiv einen Blick wert.
Setlist Impvlse:
1) bloom – 2) snake eyes – 3) silenced – 4) rituals – 5) damnation – 6) Void – 7) Act I: Heretic – 8) sacrilege
Nach einer Viertelstunde Umbaupause steigt die Spannung: Mit dem Song House von Charli xcx, der auf TikTok zum Trendsound für
allerhand „Nahtoderlebnisse“ wurde, läuten Accvsed ihr Set ein. Der Bereich vor der Bühne ist deutlich voller und es entsteht der Eindruck, dass Accvsed für den einen oder anderen Gast eine entscheidende Rolle beim Ticketkauf gespielt haben dürften. Die Wiesbadener, die es auch erst seit 2021 als Band gibt, fackeln gar nicht lange und rufen bereits im ersten Song zum Moshpit auf. Das Publikum folgt, der Pit tobt und es dauert auch gar nicht allzu lange, bis die ersten Crowdsurfer sich auf den Weg machen. Spannende Angelegenheit, denn im kleinen Club Volta gibt es an diesem Abend weder einen Graben, noch steht umittelbar Security bereit – wer vorne ankommt, wird von der Band oder deren Crew entgegen genommen und macht sich nicht selten auf dem gleichen Weg wieder zurück in den Pit. Das alles sorgt für eine kochend heiße Atmosphäre, die das Lebenselixier für jeden Clubshowliebhaber ist. Für den Song Don’t Let Me Fall Apart gesellt sich dann auch noch The Narrator-Sänger Fabian Jochum mit auf die Bühne. Die Stimmung, die Accvsed mit ihrem harten, brachialen Sound bei überwiegend düsterem Flackerlicht schaffen, ist unglaublich intensiv und intim und während ich jeder Band von Herzen einen Durchbruch gönne, merke ich an diesem Abend wieder, was Arenashows einem einfach nicht bieten können. Nach 45 Minuten ist es für einige vermutlich dringend nötig, mal eben durchzulüften und wieder Flüssigkeit zu tanken, denn Accvsed boten definitiv ein Hardcore-Workout vom Feinsten.
Setlist Accvsed:
1) Rapture – 2) Dealers of Doom – 3) Don’t Let Me Fall Apart (feat. The Narrator) – 4) Senescence – 5) Killer of Minds – 6) Avoider – 7) Never Enough – 8) Unraveled – 9) Day of the Locust
Schließlich ist es Viertel vor zehn, als der Headliner des Abends die Bühne betritt: Mit dem Titeltrack von Tour und Album, Phosphor, eröffnen sie ihr Set und setzen die Energie-Messlatte damit von Anfang an extrem hoch an. Die Setlist ist ein stimmiger Mix aus beiden bisher erschienenen Alben mit einem dezenten Fokus auf die in diesem Mai erschienenen Platte Phosphor. Wirkte der Pit bei Accvsed schon extrem, legt die Crowd bei The Narrator noch eine Schippe drauf: unablässig wird gecrowdsurft, Circle Pit folgt auf Circle Pit, die Wall of Death zieht sich durch den gesamten kleinen Clubraum von der Bühnenkante bis zum FOH-Tisch. Das Energielevel bleibt von Anfang bis Ende auf einem konstant hohen Niveau. Für The Witch revanchiert sich Accvsed-Sänger Tino Mehlig mit einem Gegenbesuch auf der Bühne. Bei Aurora – vermutlich der Song im Set mit dem höchsten Ohrwurmpotential – springt und tanzt das Publikum dann, als gäbe es kein Morgen. Im ganzen Raum ist gute Laune spürbar, powered by The Narrator. Gemessen an diesem Abend steht dem Powerhouse aus Essen meiner Meinung nach definitiv noch Großes bevor.
Dass Metal niemals unpolitisch ist, betonen The Narrator, indem sie sich deutlich gegen rechtes, diskriminierendes Gedankengut aussprechen. Ein Statement, das vom Publikum mit Jubeln und Applaus aufgenommen wird. Dass es sich dabei aber nicht nur um Gerede handelt, zeigen sie im Verlauf des Abends auch, als sie zum FLINTA-Pit aufrufen und darum bitten, dass die Männer im Raum einmal für einen Song den Raum für jene lassen, die sich bis dahin vielleicht nicht getraut haben, am zugegeben recht harten Moshpit, in dem auch mal Arme und Beine in die Luft flogen, teilzunehmen. Das wird ziemlich positiv angenommen und zugegeben ist es ein bisschen herzerwärmend, danach zu beobachten, wie eine Teilnehmende strahlend zu ihrer männlichen Begleitung zurückkehrt und abklatscht, als habe sie gerade einen Marathon gewonnen.
Nach 13 Songs ziehen sich The Narrator kurz von der Bühne zurück, bevor es für zwei Zugaben noch mal raus geht: Mit Stasis und Purgatory findet der Abend einen Abschluss. Im Anschluss sieht man viele erschöpfte, aber glückliche Gesichter. The Narrator haben wieder einmal gezeigt, warum sie für mich eine Band sind, die ich unfassbar gerne live sehe: Die Herren wissen, wie man eine Show macht, die Mucke ist geil und am Ende des Abends steht auf der Abrechnung verdammt viel Spaß. Definitiv 10/10 und gerne wieder.
Setlist The Narrator:
1) Phosphor – 2) Pills From the Start – 3) Stained Glass Reality – 4) Die Down – 5) Iron Grip – 6) Agnosia – 7) The Witch – 8) Modern Age Blasphemy – 9) Aurora – 10) Frontier – 11) Deathbed – 12) Devastator – 13) No Answer – Zugabe: 14) Stasis – 15) Purgatory
Berichterstattung / PhotoCredits: Olivia Zöllner


