Festivals

Neuborn Open Air 2026 – Zum 20. Mal Metal- und Schobbegeballer am Neuborn (28.08./29.08.2026)

Hey NOAF, es gibt was zu feiern! Und zwar gibt es in diesem Jahr die bereits zwanzigste Ausgabe des allseits beliebten Festival im Herzen Rheinhessens! Zum ersten Mal fand das „Neuborn Open Air Festival“ 2005 statt, damals noch mit bescheidenen 500 Besuchys. „Dank“ pandemiebedingter Ausfälle findet die Jubiläumsausgabe aber eben nun EINundzwanzig Jahre später statt. Aus der beschaulichen Musikveranstaltung mit Coverbands aus der Umgebung hat sich inzwischen ein veritables Ereignis entwickelt, dass nicht nur stabil um die 3000 Gästys auf die Wiesen über Wörrstadt lockt, sondern auch internationalen Bands von Rang und Namen eine Bühne bietet. Ich persönlich beehre, wenn ich meinem Photokatalog trauen darf, das NOAF mindestens seit 2013 und war seither nur einmal nicht da (weil ich da auf einer Hochzeit war). Und auch wenn ich mit dem Line-Up im Vorfeld nicht immer so vertraut war, so wurde ich doch nie enttäuscht. So auch in diesem Jahr: Vom Billing her vertraut waren mir nur GRAVE DIGGER, auf die ich mich wie Bolle gefreut habe, und SAXON. Die Engländer hätten bereits im vergangenen Jahr einen der Headliner geben sollen, mussten krankheitsbedingt aber absagen. Bzw. verschieben. Aber dazu später mehr, steigen wir erstmal der Reihe nach ein…

NOAF 2026

A storm is coming! Oder auch nicht…

Introduktion

Und damit zu was ganz anderem: Eigentlich wollte ich ja meinem alten Zelt auf dem diesjährigen NOAF nochmal die Ehre erweisen und es ein letztes Mal zum Einsatz bringen. Da aber die Wettervorhersage ein recht regnerisches und stürmisches Wochenende vorhergesagt hatte und meine über zwanzig Jahre alte Stangen-Planen-Behausung sich bei den letzten Urlaubseinsätzen in schwerem Wetter als nicht mehr ganz dicht herausgestellt hatte (Allegorien zum Besitzer möchte ich mir an dieser Stelle verbitten), habe ich die eh schon geplante Anschaffung eines kleinen, aber sehr leichten und kompakten Trekking-Zeltes eben etwas vorgezogen. Und sagen wir mal so: Es war die richtige Entscheidung, denn über das gesamte Wochenende gibt es drei zum Teil doch recht heftige Gewitter, denen mein altes Igluzelt nicht mehr standgehalten hätte. Die neue „Hundehütte“ bewährt sich derweil aber bestens –  und bietet dennoch zwei Menschen einigermaßen bequem Platz. Abgesehen von den erwähnten Blitz-und-Donner-Ereignissen bleibt es aber doch größtenteils trocken. Zumindest von außen.

NOAF 2026

Der Bierosaurus Rex überwacht, ob der Zapfvorgang auch korrekt durchgeführt wird

Was uns zur Verpflegung bring: Lag der Bierpreis im Infield schon seit Jahren stabil bei 400 Eurocent für ebensoviele Milliliter köstlich kühlen Karlsberg Urpils‘, so wurde der Preis in diesem Jahr doch auf UNVERSCHÄMTE vierfuffzisch angehoben! Aber im Ernst, auch dieser Preis ist immer noch völlig im Rahmen. Außer Bier (neben dem erwähnten Urpils stehen noch diverse andere Sorten zur Auswahl, unter anderem ein IPA) kann man sich Weinschorle, Longdrinks und natürlich auch einiges an Alkfreiem in den Hals schütten. Feste Nahrung betreffend finden sich auf der anderen Seite der Bonkasse wieder die bewährten Klassiker: Neben Brat- bzw. Currywurst und Steak sowie Pizzabrötchen (auch in vegetarisch) kann man sich an  Käsespätzele, veganem Linsencurry und den geilsten Pommes ever laben! Ehrlich, so richtig dicke, außen knusprige und innen noch so rischdisch schee safdische Fatze, ich könnt grad… Ähem, geht wieder.

Bezahlt werden die Viktualien übrigens mit Bons, die man an der Bonkasse gegen Bargeld oder mit Karte erwerben kann. Auch an der kleinen Merchmeile auf der anderen Seite des Infields akzeptieren die meisten Stände Kartenzahlung. Generell sind alle Wege angenehm kurz und das Festival ist bestens organisiert. Insbesondere sind auch die Dixis sowohl im Infield als auch am Campground stets in einem guten bis akzeptablen Zustand. Es gibt eine Waschrinne am Campingplatz, duschen kann man im unweit gelegenen Freibad, wo man mit Festivalbändchen auch freien Eintritt hat.

NOAF 2026

Selten: Weinhörner!

Glas ist übrigens auf dem ganzen Gelände verboten und wird sowohl beim Einlass auf den Campingplatz als auch zum Infield kontrolliert, außerdem macht die sehr nette Security regelmäßige Kontrollgänge über den Zeltplatz und sammelt ggf. Glasgefäße ein.  Man kann sich aber auch wie ich so ein schickes Metall-Dubbeglas mitbringen, am Getränkestand aus den Plastikbechern umfüllen und das ganze dann auf unschuldigen Weinhörnern abstellen.

Donnerstag

Battle Against The Empire

Ei verdammt, der Eirich wollt noch e Pils bestelle, bevor er stagedivet! – BATTLE AGAINST THE EMPIRE

Während das eigentliche Festival erst am Freitag beginnt, so gibt es am Donnerstagabend seit etlichen Jahren bereits eine „Warm Up Party“ mit renommierten monothematischen Coverbands. Heißt, dass sich da eine Band einer bestimmten Band annimmt. Anlässlich des Jubiläums spielen in diesem Jahr derer gleich drei statt der sonst üblichen zwei auf, und den Anfang machen BATTLE AGAINST THE EMPIRE aus dem nahegelegenen Mainz – meiner Heimatstadt. Wer anhand des Namens nicht drauf kommt: BATE covern Rage Against The Machine. Und das richtig geil, und so sind die Mainzer nicht zu unrecht „die meiste Band des NOAF“ – will heißen, sie spielen bereits zum dritten Mal hier, öfter als jede andere Band. Geboten werden alle Hits von „Bombtrack“ bis „Killing In The Name Of“ – bei letzterem springt Sänger Björn dann auch in die Menge und lässt sich herumtragen. Ein würdiger Einstieg in ein Festival, dass noch einige Perlen bereithalten sollte!

NOAF 2026

Denkt MOTHERSHIP-Sänger Andrea grade drüber nach, ob er auch noch einen Hemdknopf öffnet?

MOTHERSHIP sind aus dem schönen Florenz (Toskana) in der deutschen Toskana (Rheinhessen) gelandet und verzaubern mit einer höchst authentischen Darbietung von Led Zeppelin-Klassikern, alleine schon die Outfits bringen eins „Back To The Future“ . „Leider“ kommt bereits kurz nach Beginn der Show die Frau, mit der ich mir über das Wochenende mein Zelt teilen werde, mit dem Automobil an und wir müssen dieses erstmal entladen und parkieren. Bis wir damit fertig sind, sind es die 701ies-Rocker leider auch. Aber wenigstens treffe ich Sänger Andrea im Anschluss nochmal am Bierstand und darf meine mühsam via Duolingo erlernten Italienischkenntnisse an ihm ausprobieren. So erfahre ich, dass die höchst sympathischen Italiener extra mit dem „Pullman“ (ein wunderschönes italienisches Wort für Reisebus) angereist sind, aber noch in der Nacht wieder zurück müssen, weil der nächste Gig schon am nächsten Tag wieder in der Toskana (Italien, nicht Rheinhessen) ansteht.

Sublimnal Verses

Des Fass is schunn widdä leer, allewei gibt’s Schläääh! – SUBLIMNAL VERSES

Ebenpfalz aus Italien beehren uns SUBLIMINAL VERSES, benannt nach dem dritten Album der US-Band Slipknot. Und wer das Original mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer damit, wie ich, eher nicht soviel anfangen kann, kriegt wenigstens eine fette Show geboten. Schreiben kann ich dazu nicht mehr viel, aber ich verweise gerne auf die Bilder unten in der Galerie.

Freitag

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Idyllische Landliebe –  bald sitzen hier ca. 50 Metallys und saufen sich frühmorgens schon die Hucke voll

Nach einer sehr geruhsamen Nacht in einem DICHTEN und stabilen Zelt (trotz heftigem Gewitter) werden wir nächstentags eher unsanft geweckt: In einiger Entfernung spielt eins dieser „Spaßcamps“ einen ki-generierten Song à la „Aufstehen ist toll“ (o.ä.) in einer Lautstärke ab, die weite Teile des Zeltplatz nerven dürfte. Schlimmer noch, dass der KI-Slop an übelste Schlagerscheiße aus den 70ern angelehnt ist. Zum Glück ist bald doch wieder Ruhe, aber wo man eh schon mal wach ist, kann man auch zum Metzger auf einem Aussiedlerhof in der Nähe wandeln und sich dort ein nahrhaftes Frühstück einverleiben (es gibt sogar vegetarische und vegane Optionen, zugegeben allerdings nicht allzu viele). Was es aber auch gibt: Einen „Schobbe-Bausatz“ für unter zehn Euro: Je eine Literflasche Wein und Sprudel zum Mischen des rhoihessischen Nationalgetränks, der Weinschorle. Und so wird der gute Vorsatz, bis zur ersten Band nix zu trinken, recht schnell über Bord geworfen, außerdem müssen wir das plötzlich hereinbrechende Gewitter ja auch irgendwie überstehen. Netterweise dürfen wir sogar ausnahmsweise in die Scheune.

Truth Grip

Frisur, Shirt, Gitarre: Alles schee bei TRUTH GRIP

Einigermaßen angeschickert startet der Freitag bandtechnisch mit der Hardcore-Truppe TRUTH GRIP. Musikalisch nicht ganz so meins, ziehen die Frankfurter Jungs aber dennoch schon eine erkleckliche Meute vor die Bühne und erfreuen mich immerhin durch politsch eindeutige Shirts.

Wedge auf dem NOAF 2026

Old School of Rock: WEDGE

WEDGE aus Berlin gehen mir da schon deutlich besser rein. Selbst bezeichnet sich das Trio als „Fuzz Rock“, ich persönlich würde den Stil so irgendwo zwischen der guten alten Krautrock-Traditon à la Guru Guru, ganz frühen Scorpions und Zappa verorten, aber ich bin auch kein Experte. Abgesehen von gelegentlichen Frickelorgien jedenfalls macht der Retrorock ordentlich Spaß. Dabei spielt der Bassist nebenbei noch Schweineorgel und der Schlagzeuger sieht aus wie ein junger Jack Black.

Am Rande des Geschehens auf der Bühne durfte ich dann folgenden Schnappschuss dieser überaus bezaubernden jungen Dame machen:
NOAF 2026

Der Metalnachwuchs scheint gesichert

Und netterweise hat meine Kollegin Silke den Moment erwischt, in dem ich das Photo mache. Danke, dass ich dieses Bild hier einbinden darf. 

NOAF 2026

Making of. Photo von Silke Kemmer

 

Nervosa auf dem NOAF 2026

Wohl die Band mit der weitesten Anreise und ab jetzt mein Lieblingsexport aus Brasilien: NERVOSA

Die nächste Band ist dann wieder eine dieser unerwarteten Perlen, für die ich Festivals wie das NOAF liebe. NERVOSA aus Brasilien liefern ein Thrash-Death-Brett vom Allerfeinsten ab, neben dem ihre Landsleute von Sepultura buchstäblich alt aussehen. Leider immer noch ungewöhnlich ist auch, dass die Band komplett aus Frauen besteht. Wer sich je die Frage stellte, ob man unbedingt einen Penis braucht um richtig hart zu rocken, lasse sich von den vier Brasileiras eines Besseren belehren. Ich persönlich bin seit diesem Auftritt Fan und empfehle als Einstiegsdroge das Album „Jailbreak“.

Elwood Stray auf dem NOAF 2026

Majestätisch: Ein Rudel Photographys in ihrem natürlichen Habitat, hier vor der Bühne bei ELWOOD STRAY

ELWOOD STRAY wiederum geht für mich dann ins komplette Gegenteil: Ihrem Hipstercore kann ich wirklich so rein gar nichts abgewinnen, lustig finde ich aber den Typen, der mit so einer Insta-Kamera die ganze Zeit dem Sänger auf der Bühne hinterherrennt. Dafür ist die Photographenmeute im spätabendlichen Gegenlicht ganz hübsch.

 

GRAVE DIGGER auf dem NOAF 2026

Und DU wirst jetzt gefälligst auch Fan! (von GRAVE DIGGER, offensichtlich)

Hach, und dann stand auch schon mein persönliches erstes Highlight… nein, für mich im Vorfeld DAS Highlight des Festivals auf dem Zettel: GRAVE DIGGER! Als Teenager haben wir „sellemols“ die damals frisch aus dem Presswerk gefallene „Tunes of War“ rauf und runter gehört, bis wir jede Zeile mitsingen konnten. Umso besser, dass die Band angekündigt hatte, anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums ebendieser Pladdäh (Moment, heißt das, ich bin alt?) ebenjene komplett zu spielen. Und der Auftritt fängt auch subbergeil an: Ein Knaller nach dem andern von besagtem Album, von „The Bruce (the Lion)“ bis hin zur Oberhymne „Rebellion“, wird da ins Publikum gefeuert, dass mir vor lauter nostalgischer Reminiszenz die Armhärchen zu Berge stehen und fast die Tränchen kullern. Da tut’s auch keinen Abbruch, dass Sänger Chris Boltendahl seine Hand beim „Lass-Das-Publikum-Singen“ manchmal etwas überreizt und dann doch selber wieder übernehmen muss. Leider kommt dann im Mittelteil des Sets „neues“ Zeug, das nur wenige im Publikum (inkl. mir) zu kennen scheinen, was den Schwung etwas rausnimmt, bis dann gegen Ende wieder Klassiker wie „Excalibur“ und „Heavy Metal Breakdown“ kommen und die Meute wieder aus ihrer Lethargie wecken. Und siehe da, die Gänsehaut kehrt zurück! 

GRAVE DIGGER auf dem NOAF 2026

Danke, Grave Digger, für diese kleine Zeitreise in die Neunziger

NOAF 2026

Attack of the Crowdsurfers  – PALEFACE SWISS

Aber nach „meinem“ Highlight kommt wohl das so vieler anderer, dass etwas Ungewöhnliches geschieht: Aus Sicherheitsgründen dürfen bei PALEFACE SWISS nicht alle Photographen gleichzeitig in den Graben. Statt, dass alle die üblichen drei Songs zu Beginn knipsen dürfen, werden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils zwei Songs lang im Graben sein dürfen. Kaum fangen die Schweizer aber an, versehe ich auch den Sinn dieser Maßnahme: So viele Crowdsurfer auf einmal habe ich noch nie gesehen, erst recht nicht gleich ab dem ersten Song! Sogar mein oller Kumpel Jochen hat sich – zum ersten Mal in seinem Leben – gewagt, sich von der Menge gen Bühne tragen zu lassen!

PALEFACE SWISS auf dem NOAF 2026

Die Jugend hat annern Geschmägger – Paleface Swiss

Der Sound der Züricher Metalcore-Dampfwalze ist dann auch so ziemlich der Gegenentwurf zur Band vorher: Press uff die Fress, ein Schlagzeug, das einem die Füllungen aus den Zähnen hämmert, und dazu liefert die kombinierte (und massiv runtergestimmte) Saitenfraktion ein infernalisches Stakkato an Breakdowns, dass vor der Bühne ein Moshpit ins Brodeln gerät, wo’s einen wundert, dass die eben erwähnten Crowdsurfer nicht einfach runterfallen. Aber so fett das auch klingt, mir fehlt dabei ein wenig die Seele …

SKINDRED auf dem NOAF 2026

Dohinne habbe mer noch mehr Samples! – SKINDRED

Und damit kommen wir zum Headliner des Freitags: SKINDRED aus dem schönen Wales beehren das NOAF bereits zum zweiten Mal, das erste mal habe ich aber verpasst. Umso überraschter war ich über das, was sich mir darbot: Eine wilde Mischung aus Heavy Metal im klassischen Sinne, Metalcore-Elementen, aber vor allem viel Reggae und gefühlt noch mehr Samples. Dazu kommen immer wieder musikalische Zitate (die durchaus live gespielt werden) von Queen bis Metallica. Sogar War Pigs von Black Sabbath wird irgendwie verwurstet in einer Art „Gedenken an Ozzy“ – ob der sich über diese Art Ehrung gefreut hätte?  Alles in allem macht das ganze auf mich den Eindruck eines gigantischen Soundboards –  alles etwas eklektisch zusammen gewürfelt, aber irgendwie passt es dann doch. Und am Ende reißt es nicht nur eine alte Freundin von mir mit, sondern auch mich. Just gimme that boom boom!

NOAF 2026

Würden Sie diesen Menschen Ihr Geld, äh, Zelt anvertrauen?

Doch damit ist der Tag noch nicht vorbei. Herr Sprenger, in dem Abschlussbild von Samstagnacht oben ganz rechts zu sehen, und meine Wenigkeit wollen noch nicht schlafen und inspizieren als „Campground Inspectors“ den Zeltplatz und vergeben an alle, die uns noch zuhören wollen, arbiträre Plus- oder Minuspunkte für ihre Camps. Immerhin fallen dabei immerhin noch zwei Bier für den Herrn Sprenger raus – meine Notizen sagen nichts über meinen Alkoholkonsum, aber ich hatte wohl genug…

Samstag

Das „Spaßcamp“ beginnt den Tag zur sehr unmetallischen Uhrzeit noch vor sieben mit dem Abspielen von Serienjingles wie „Pink Panther“ oder „Sindbad“. Da dies aber einerseits in relativ zahmer Lautstärke geschieht und andererseits die Musik echt schlimmer sein könnte, wird erstmal weiter gedöst. Um 7:20 Uhr jedoch ertönt nicht nur der bereits erwähnte KI-Slop-Schlager über die Freuden des Aufstehens, sondern der Verantwortliche dreht auch die Lautstärke deutlich hoch. Ich schäle mich aus der Hundehütte, stapfe halbnackt gen Lärmquelle und finde auch ohne Brille sofort den Ausknopf an der gigantischen Bluetoothbox. Der halbe Zeltplatz jubelt. Im Weggehen drohe ich noch, dass das Ding jetzt aber bitte ausbleibt. Auch wenn das „sonst…!“ höchstens impliziert wird, jetzt herrscht Ruhe, wir können nochmal ein, zwei Stunden schlafen.

NOAF 2026

Würden Sie diesen Mann kreuzigen?

Viel später erzählt mir ein Mädel, dass morgens wohl jemand in ihrem Camp war und die Musik ausgemacht hätte. Sie selbst hat da wohl auch noch versucht zu schlafen, aber ihre wachen Kollegys hätten den Täter als „Angry Jesus“ bezeichnet. Ich persönlich hätte mich ja nie als „Jesus Man“ gesehen, aber mit dieser Zuschreibung kann ich sehr gut leben. 🙂

MONOSPHERE auf dem NOAF 2026

Duud ihr all schon donse? – MONOSPHERE

Nachdem man duschen war und danach nochmal beim Metzger zum, ähem, Schobbefrühstück,  fängt der Festivaltag am Samstag schon etwas früher an. MONOSPHERE kommen zwar (wie BATE am Donnerstag) auch aus dem nahen Mainz und könnten somit als „Local Heroes“ abgetan werden. Aber genauso gut könnte man als Rheinhesse auch den exzellenten Winzer aus der Nachbarschaft ignorieren und stattdessen billigen Wein aus Kalifornien saufen. Was der Autor damit sagen will: Auch wenn er und weite Teile des Publikums noch nicht so richtig wach waren: Die Mischung aus Black Metal, Metalcore und Progressive (von der Band selbst als „Progressive Post Metal“ benannt)  ist immerhin anregend genug, um kurz nach Mittag am letzten Festivaltag einen ersten spontanen Circle Pit zu inspirieren. Und ist ansonsten auch auf jeden Fall einen Horch wert, ich empfehle das Album „Sentience“ als Einstieg.

KRYN auf dem NOAF 2026

KRYN noch ein? Publikum bei Kryn

KRYN kommen aus Kroatien, kreieren keine Kunst, kommentiert Karla Kolumna. Das sieht dieser Autor etwas, aber nicht gänzlich anders. Mir ist der Standard-Metalcore-Bums zu generisch, um’s wirklich gut zu finden. Erstaunlicherweise  covern sie aber „Mad World“ von Tears for Fears, und das sogar relativ nah am Original, was nicht so ganz zum Rest passt. Aber immerhin ist Seb, der Schlagzeuger der Mainzer Slayer-Coverband „Hellfeld“ begeistert: „Ich konn nur langsam unn schnell. Der von dene konn des in de Midd rischdisch guud!“

MARCH auf dem NOAF 2026

The Ides of MARCH

MARCH kommen  dagegen nicht nur aus den Niederlanden, sondern auch so sympathisch knuffig rüber, dass es fast schon egal wäre, was sie für Musik machen (solange es kein Schlagerscheiß ist). Umso besser, dass der Power-Punkrock der paritätisch männlich-weiblich besetzten Vierercombo auch noch richtig gut ins Ohr geht. Die Texte sind demgegenüber aber nicht unbedingt so leichte Kost, es geht unter anderem um Mißbrauch von Social Media. 

CHAPEL OF DISEASE auf dem NOAF 2026

Die Frisur sitzt – CHAPEL OF DISEASE

Manchmal kommen dann auch so Bands auf die Bühne, die man erstmal ganz geil findet, und dann stellt man plötzlich fest: Ach gugge ma o, von dene habb ich dahaam ja e CD im Schrank stehe! Und genau so geht es mir mit CHAPEL OF DISEASE! Zunächst finde ich den melodisch-progressiv angehauchten Death Metal der Kölner einfach ziemlich cool, bis mir irgendwann auffällt: Wadde ma, des kennste! Und auch wenn ich jetzt selbst mit einem Messer auf der Brust keine Titel benennen könnte, bin ich mir sicher, dass der ein oder andere Song vom kurz und knapp betitelten Album „…and as we see the storm, we have embraced the eye“ gespielt wurde. 

PARASITE INC auf dem NOAF 2026

So musste greife, Du Hannebambel! – PARASITE INC

PARASITE INC waren offiziell gar nicht da. Könnte man zumindest meinen, denn sie haben ihr Backdrop im Proberaum vergessen. Dennoch sind die Schwaben offensichtlich sehr präsent und kommen nicht nur aufgrund ihrer leichten Vergesslichkeit sehr sympathisch rüber. Auch musikalisch weiß die Melange aus Melodic Death und einem guten Schuss Metalcore zu überzeugen, so sehr gar, dass mein gramgebeugtes Haupt gut durchgeschüttelt wird.

Das Alter fordert aber seinen Tribut: Danach muss ich mich erst mal langlegen und zu diesem Behufe mein Zelt aufsuchen. Dadurch verpasse ich die REAL MCKENZIES, die aber nach allem was ich gehört habe a) sehr gut gerockt haben und b) überhaupt nicht mein Geschmack sind (später bei Spotify verifiziert – beides).

Doch pünktlich zu GRAND MAGUS bin ich dann wieder vor der Bühne. Doch vielleicht ist es noch der Schlaf in den Augen, vielleicht aber auch einfach die billigen Riffs im immergleichen Punktierte-16tel-Takt, so richtig wach werde ich dabei auch nicht.

SAXON auf dem NOAF 2026

Hier fällt mir einfach keine ironische Unterzeile ein – SAXON hat schlicht gerockt!

Doch dann kommen SAXON! Die Heavy Metal-Urgesteine aus England werden gerne in einem Atemzug mit Bands wie Iron Maiden und Judas Priest genannt, wenn es um die sogenannte New Wave Of British Heavy Metal geht, wenn ihnen auch der große Rockstar-Status versagt blieb. Eigentlich sollten Saxon schon im vergangenen Jahr auf dem NOAF spielen, mussten dann aber aufgrund einer Krebserkrankung von Sänger Biff so kurzfristig absagen, dass sie sowohl auf den Festivalshirts von 2025 als auch 2026 stehen. Glücklicherweise scheint Biff aber den scheiß Krebs besiegt zu haben und kann dafür dieses Jahr die NOAF-Bühne rocken! Ich persönlich war nie ein großer Saxon-Fan, habe aber großen Respekt vor dieser Band, und für mich ist es das erste Mal, dass ich sie sehe. Was mir als erstes auffällt: Biff hat eine sauschicke Uniformjacke, da werd ich selbst bissl neidisch! Was mir als zweites auffällt: In der ersten Reihe stehen einige Metalheads, die ihre Kutten in der Hand halten statt anzuhaben.

SAXON auf dem NOAF 2026

Ich hebb do so n Kittel gefange, geheerd der wem?

Schon bald stellt sich heraus, was es damit auf sich hat: Die Kutten fliegen auf die Bühne, werden von der Band aufgesammelt und später im Laufe des Gigs eine nach der anderen angezogen. Am Ende kann sich jede*r ihre Kutte wieder abholen – dann aber unsichtbar veredelt durch Saxon!

Aber auch davon abgesehen war der Auftritt von Saxon ein großer Spaß für Jung und Alt: Für Alt (wie mich), weil man doch unerwartet viele Songs kennt und mitgrölen kann (Denim and Leather, Princess of the Night, Ducks, äh, Dogs of War…) und für Jung (wie mich) weil man sich dann doch plötzlich wieder wie ein Teenager fühlt.

SAXON auf dem NOAF 2026

Kennste den? Kommt n Metalhead zum Arzt….

Und auch, wenn ich nun immer noch nicht zum Saxon-Fan konvertiert worden bin: Respekt an Biff und seine Kollegen, das war ein richtig geiler Gig und ein würdiger Abschluss für das 20. NOAF!

NOAF 2026

Den Helfern ein dreifach donnerndes Helau!

Doch wie immer gebührt der wahre Dank den rund 200 ehrenamtlichen Helfern im Hintergrund, die teils schon Wochen und Monate im Voraus (und auch im Nachhinein) für einen reibungslosen Ablauf des goilsten Festivals in Raum und Zeit sorgen! Merci beaucoup à vos tous!

Und damit könnte der Bericht hier eigentlich enden, wenn da nicht noch eine letzte Nacht auf dem Zeltplatz gewesen wäre… Aber vielleicht decken wir darüber den Mantel des Schweigens und sagen einfach nur soviel: Es gab Karaoke, kein Bier und dank kreativer Ideen dann doch wieder welches. Bis im nächsten Jahr! HEY NOAF!

NOAF 2026

Time to sing goodbye!

PhotoCredits u. Berichterstattung: Erik Hüther

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