SACRED REICH & AQUILLA in der Chemiefabrik Dresden (21.08.2026)
Es ist schon ein Weilchen her, dass ich das letzte Mal nicht als Mercher oder Redakteur bei einem Konzert war, sondern ausschließlich als Besucher bzw. Fan. Aber SACRED REICH gehört für mich definitiv zu den Bands, bei denen ich sage: Wenn die in unseren Gefilden auf Tour sind und dann auch noch in für mich gut erreichbarer Distanz Halt machen, überlege ich nicht zweimal, ich gehe hin! Doch zuvor hieß es erstmal, die mir bis dato unbekannte Opener-Band AQUILLA aus Warschau/Polen anzuchecken. Also die Band bei Metal-Archives aufgestöbert und geguckt, was die Band schon so auf der Habenseite vorzuweisen hat. Zwei Alben („Mankind´s Odyssey“/2022 und „Sentinels Of New Dawn“/2025) galt es somit für mich anzuhören und am Ende saß ich völlig begeistert ob dessen, was ich da gerade zu hören bekam, auf meiner Couch. Hammerstarker up-tempo-reicher Heavy Metal mit großem Hang zum Power Metal. Das kann heute Abend nur gut werden.
So gegen 19:30 Uhr in der Chemo angekommen, war ich schon positiv überrascht, wie zahlreich die Leute hier erschienen sind. Am Einlass wurden 38 Talerchen entrichtet und dann ging es schnurstracks, wie soll es auch anders sein, zum Merchstand. Und da erwischte mich erstmal ein mittelschwerer Schock. SACRED REICH rufen 35 € für ein Shirt auf (ich erinnere mich, vor 10 Jahren im Berliner Lido waren es noch 20 €). What the ffffff….. Sorry, no way! Also ab nach nebenan zum AQUILLA-Stand und siehe da, die nehmen „nur“ 25 €. Und auch die aktuelle Scheibe auf Vinyl gibt es für faire 25 €. Also gleich die LP verhaftet, nicht, dass sie nachher keine mehr haben.
Und dann war es auch schon so weit: Kurz nach 20 Uhr ertönt das Intro und Drummer Pete Slammer nimmt auf seinem Drumhocker Platz. Sofort beginnt er die anwesende Meute zu animieren. Das Intro neigt sich dem Ende und geht langsam zum ersten Song über. Dabei schlägt Pete die ersten Takte. Währenddessen entert Basser Hippie Banzai (ja, er ist wirklich ein kleiner Hippie lookalike) die Bühne und steigt mit seinem Tieftöner ein. Die beiden Gitarristen Kris Invader und Jaspar De Phaser folgen und geben dem Opener „Technocrats´ Tyranny“ endgültig die Laufrichtung. Zu guter Letzt erklimmt Sänger Captain Paradox (nebenbei bemerkt allesamt herrliche Pseudonyme und passend zum SiFi-Konzept der Band) die Bühne und legt kraftvoll los. Und was soll ich sagen? Genau so hatte ich es mir heute Mittag noch auf meiner Couch vorgestellt. Die Band agiert mit einer energiegeladenen Power und Spielfreude, die Musiker wechseln unermüdlich ihre Positionen, pushen sich gegenseitig zu Höchstleitungen und halten dieses Pensum bis zum Schluss. Der Fokus des Sets liegt dabei ganz klar auf ihrem aktuellen Langeisen „Sentinels of New Dawn“. Einzig „Saviors of the Universe“ vom Debüt hat sich da mit reingeschlichen. Und zum Schluss des gut 40minütigen (und damit eigentlich viel zu kurzen) Sets gibt es als Rausschmeißer den 75er Scorpions-Klassiker „Robot Man“.
Fazit: Es war einfach nur großartig!
Setlist Aquilla
1. Technocrats ́ Tyranny
2. Mountains of Black Sleep
3. Saviors of the Universe
4. Plunder & Steel
5. Creed of Fire
6. Battalion 31
7. Robot Man (Scorpions-Cover)
Nach diesem famosen Auftritt der Polen, musste ich prompt nochmal zum Merchstand zurück, um mir das passende Leibchen zum Album zu holen. Danach ging es erstmal mit frischem Radler bewaffnet raus an die frische Luft um durchzuschnaufen und mit ein paar Kumpels über das eben Erlebte zu plaudern. Nach angenehm kurzer Umbaupause kommen nun die Headliner SACRED REICH auf die Bühne und steigen mit „Manifest Reality“ vom noch immer aktuellen Longplayer „Awakening“ aus 2019 in ihr rund 75minütiges Set ein. Und gleich von Anfang an ist deutlich, wo die Reise hingeht – zu einem weiteren Triumphzug! Ich sehe die Band heute bereits zum siebten Mal und ich wurde noch nie enttäuscht. Sie sind live einfach eine Bank. Der Sound in der Chemo ist fett und dennoch klar, die Band bei bester Laune und die Crowd sofort „on fire“. Mit dem nächsten Stück, dem Titelsong vom zweiten Album „The American Way“ (1990), wird dann auch der „Schirmherr“ dieser Tour ins Spiel gebracht, die unter dem Motto „No Truth, No Justice 2026“ läuft. Gleich fünf Stücke dieses Albums sind in der heutigen Setlist vertreten. Aber, bis auf das „Heal“-Album, werden auch alle anderen Releases bedacht. Spätestens nach der Hälfte des Sets kann ich dann auch nicht mehr an mich halten und der Kopf fing immer stärker an im Takt mitzuwippen. Ich weiß, ich sollte das eigentlich nicht mehr wegen meiner zwei kaputten Nackenwirbel bzw. der Bandscheiben dazwischen tun, aber ich konnte einfach nicht anders. Die Musik dieser Band ist einfach mitreißend und wenn Obersympatikus Phil Rind dann auch noch mit seinen Ansagen das Publikum in seinen Bann zieht, brechen auch die letzten Vernunftsdämme. Ein „Hit“ nach dem anderen wird in die Menge geschmettert und der Schweiß fließt in Strömen. Das Set neigt sich langsam dem Ende. Nach „Death Squad“ gibt es mit dem Black Sabbath-Cover „War Pigs“, das vom Publikum lauthals mitgesungen wird, eine kleine „Verschnaufspause“, bevor es dann mit ihrem Überkracher „Surf Nicaragua“ endgültig über die Ziellinie geht. Was für ein Hammer-Auftritt.
Nach der Show gibt es noch ein kaltes Radler, um mich wieder runterzukühlen. Ich hatte heute extra meine Plattencover mitgebracht, um sie signieren zu lassen. Allerdings brauchte es dafür im Anschluss reichlich Geduld, bis Phil und Wiley sich endlich blicken ließen. Am Ende wurde es sogar so spät, dass ich leider den letzten Bus in meinen Heimatort nicht mehr erreicht habe und per pedes nach Hause musste. Aber shit happens … das war es mir allemal wert. Ich bin absolut happy nach diesem Abend und das ist ja wohl das Wichtigste.
Setlist Sacred Reich:
1. Manifest Reality
2. The American Way
3. Ignorance
4. One Nation
5. Love…Hate
6. Salvation
7. State Of Emergency
8. Killing Machine
9. Crimes Against Humanity
10. Who ́s To Blame
11. Independent
12. Death Squad
13. War Pigs (Black Sabbath-Cover)
14. Surf Nicaragua
Berichterstattung: Der „Thrasher“


