Konzerte

Aviana: Tourabschluss in intimer Atmosphäre (Amadeus Oldenburg, 29.11.2025)

Irgendwie ist es passend, dass ich auf meinem Weg zum Amadeus in Oldenburg, welches ich noch nie zuvor besucht habe, an einem skandinavisch inspirierten Weihnachtsdorf vorbeikomme. Schließlich spielen an diesem Abend gleich zwei Bands aus Nordeuropa in dem kleinen Club, der irgendwie urig und gemütlich wirkt. So hinterlässt Oldenburg gleich einen bleibenden Eindruck, denn schon ab Ankunft stimmt die Atmosphäre. Weihnachtlich, warm und irgendwie kuschelig – der Clubraum im Amadeus ist nicht sonderlich groß, aber hat einen ganz eigenen Charme.

01-Atena-6Den Auftakt in dieser heimeligen Atmosphäre machen Atena aus Norwegen. Der Raum füllt sich noch etwas zögerlich während der Performance. Überhaupt nicht zögerlich ist hingegen das Publikum, das schon bei der ersten Band einen Moshpit eröffnet, der sich sehen lassen kann. Noch ist er klein, aber die Leute haben sichtlich Spaß an der Performance der Norweger. Und das trotz technischer Probleme: Gitarrist Vebjørn Iversen kämpft zu Beginn verbissen mit der Technik. Schließlich muss er passen, das Problem lässt sich nicht beheben. So schließt er sich kurzerhand dem Publikum an und beobachtet die Show ausnahmsweise aus der Crowd-Perspektive. Seine Bandkollegen liefern dennoch eine wirklich solide Performance ab. Ein angenehmes Warm-Up, das bereits Lust auf mehr macht.

 

Dieses „mehr“ gibt es nach kurzer Umbaupause von Diamond Construct. Die02-Diamond-Construct-4 Band aus Australien ist auf dieser Tour erstmals in Europa unterwegs und sammelt direkt neue Fans ein. Der kleine Raum ist schon etwas voller, der Pit tobt heftig und Diamond Construct liefern erbarmungslosen, effektvollen Metalcore. Das macht Spaß beim Zuhören und Zusehen und bietet jede Menge Abwechslung. Die etwa 40 minütige Set ist absolut kurzweilig. Auch die Show der Band ist überzeugend und sie bringen den kleinen Clubraum zum Kochen. Insgesamt eine absolut gelungene Performance, die mittlerweile verspricht, dass das ein runder Abend wird.

 

 

03-The-Gloom-in-the-Corner-19Act Nummer 3 kommt ebenfalls aus Australien: The Gloom in the Corner bieten eine nahezu theatralische Performance dar, denn Sänger Mikey Arthur ist nicht nur ein grandioser Vocalist, der sowohl in Growls und Screams als auch im Clear-Gesang überzeugt, sondern bietet hier und da auch fast schauspielerische Einlagen, passend zum jeweiligen Song. Ich bin kein Freund der Formulierung „kompletter Abriss“, aber das, was hinter mir im Moshpit passiert, fühlt sich verdammt sehr danach an. Der Pit tobt, es ist unfassbar heiß, der Sound schwankt zwischen brutal-aggressiv und extrem melodisch. Bis zu dieser Tour waren The Gloom in the Corner mir absolut unbekannt, aber ich gehe an diesem Abend als Fan nach Hause. Das, was die Australier liefern, ist eine rundum grandiose Performance, die Headliner-Qualität hat. Zum Finale unterstützt noch einmal Diamond Construct-Vocalist Kynan Groundwater und was bereits bei dieser Performance deutlich wird – und dem Abend noch eine besondere Note verleiht – ist wie eng die vier Acts des Abends auf dieser Tour zusammen gewachsen sind. Es ist eine absolute Freude, den Künstlern zuzuschauen und zu sehen, wie viel gegenseitiger Support unter den Bands herrscht.

Schließlich fehlt nur noch der Headliner des Abends. Aviana aus Schweden eröffnen ihr Set direkt mit einem Knaller: FATHER vom aktuellsten Album VOID ist hart, bedingungslos und bringt das Publikum in Schwung. Emotional wird es direkt im Anschluss bei REDROOM – ein Song, den Sänger Joel Holmqvist schrieb, um den Tod seiner Großmutter zu verarbeiten. Wie viel Emotion darin liegt, wird schnell deutlich, ringt Holmqvist doch vereinzelt sichtlich mit sich selbst. Aviana bieten knallharten Metalcore im Wechsel mit zerbrechlichen Melodien, was sich so auch durch das gesamte Set zieht und in Songs wie STORM ABLAZE oder EVERMORE ganz besonders deutlich wird. Das Set von Aviana ist abwechslungsreich und kurzweilig. Der älteste, laut Sänger Joel Holmqvist auch härteste Song im Set ist My Worst Enemy vom 2019er-Album Epicenter, noch vor dem großen Line-Up-Wechsel, in dessen Folge Holmqvist als letztes bekanntes Mitglied verblieb. Die neuen Mitglieder bleiben anonym – Schlagzeuger und Gitarristen treten mit Masken auf und haben dadurch eindrucksvolle Bühnencharaktere geschaffen, die ohne Mimik, aber viel Körpersprache unglaublich viel Emotion transportieren und phasenweise wie Kreisel über die Bühne wirbeln. Früher konnte ich maskierten Bands nicht viel abgewinnen. Aviana haben dies mit ihrer beeindruckenden Performance aber ziemlich bald komplett auf den Kopf gestellt.

Mit Anomaly vom Vorgänger-Album Corporation gibt es kurz vor Schluss noch einmal04-Aviana-21 etwas ruhigere Verschnaufpause. Dabei wird Holmqvist unterstützt von The Gloom in the Corner-Bassist Nicholas Davies, der für eine kurze Gastperformance auf die Bühne kommt und zeigt, dass er auch ein fantastischer Sänger ist. Danach geht es auf die Zielgerade – zwei weitere Songs von Corporation folgen, bevor der Abend mit dem emotionalen WORLD’S PULSE seinen Abschluss findet. Etwa eine Stunde dauert die Show von Aviana – eine Stunde voller Emotionen, die sich irgendwie viel zu kurz anfühlt. Auch, weil WORLD’S PULSE, zu dem Eddie Berg von Imminence auf dem Album Vocals und einen Geigenpart beitrug, irgendwie ein Song ist, der eine Leere in mir hinterlässt. Und die Frage: Wann sehe ich diese unfassbare Band wohl wieder? Das kann doch noch nicht alles gewesen sein?

Am Ende verlasse ich das Amadeus in Oldenburg mit dem Gefühl, gerade eine kathartische Reinigung durchlaufen zu haben. Vier absolut grandiose Bands haben für einen stimmigen und stimmungsvollen Abend gesorgt, das Line-Up war rund und wirklich gut zusammengestellt. Der Club bot eine charmante, intime Atmosphäre und während ich mir auf dem noch geöffneten nordischen Weihnachtsmarkt noch eine Kleinigkeit zu essen gönne, fühle ich mich rundum glücklich und zufrieden.

Setlist Aviana:

1) Father – 2) Redroom – 3) Storm Ablaze – 4) Rage – 5) Evermore – 6) Retaliation – 7) Oblivion – 8) My Worst Enemy – 9) Delirium – 10) Anomaly – 11) Curriculum – 12) Obsession – 13) World’s Pulse

Berichterstattung / PhotoCredits: Olivia Zöllner 

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.