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Partystimmung im Park: Oelde Open Air 2026 – Samstag (22.08.2026)

In Oelde weiß man, was gute Stimmung ist. Das zeigt sich auch dieses Jahr wieder beim Oelde Open Air, ein kleines zweitägiges Open Air Festival im Vier-Jahreszeiten-Park im beschaulichen Oelde. Eigentlich handelt es sich auch eher um Open Air Konzerte als um ein richtiges Festival. Die Tagestickets werden separat erworben, Camping gibt es (abgesehen von Wohnmobilstellplätzen) nicht wirklich und das Programm beginnt erst am späten Nachmittag. Trotzdem schafft man es in Oelde, Festivalfeeling aufkommen zu lassen und so ist mir das Event, welches ich im letzten Jahr zum ersten Mal besucht hab, in der kurzen Zeit schon ganz schön ans Herz gewachsen. Leider passte dieses Jahr nur der Samstag in meinen Terminplan, der machte dafür aber umso mehr Spaß.

Schon bei Ankunft ist die Stimmung gut: Das Wetter spielt mit, es ist warm und sonnig ohne unangenehm heiß zu sein und das Areal vor der Sparkassenbühne, aufgebaut wie ein kleines Amphi-Theater, füllt sich stetig mit Metalheads. Was schon direkt bei meiner Ankunft positiv auffällt: Wirklich jeder, mit dem ich an diesem Abend in Kontakt komme, wirkt freundlich und gut gelaunt. Das Publikum ist da, um bei drei großartigen Bands richtig Spaß zu haben, die Mitarbeitenden sind offen, hilfsbereit und sorgen dafür, dass alle eine gute Zeit haben und die Security im Graben hat ein riesiges, aufblasbares Einhorn im Gepäck. Alle Anwesenden arbeiten hart an der gemeinsamen Mission, schlechte Laune unmöglich zu machen. Was soll ich sagen: Die Mission gelingt mit großem Erfolg.

Oelde-01-Rising-Insane-121Um kurz vor sechs tritt Moderatorin Anna Hubschrauber auf die Bühne, um den Opener des Abends anzukündigen: Die norddeutsche Metalcoreband Rising Insane. Mit jeder Menge Energie bringen sie innerhalb kürzester Zeit den Pit zum Kochen. Im Set finden sich viele Songs des 2024er Albums Wildfire sowie der 2023er EP Half Alive, aber auch einige quasi brandneue Stücke geben sie zum Besten: Erst am Vortag erschien das neueste Album DEATHRACE und mit Songs wie ERROR und DARK machen die Bremer ordentlich Werbung dafür. Der Moshpit tobt, die erste Wall of Death des Abends wirbelt ordentlich Staub auf und in der zweiten Hälfte des Sets werden auch die ersten Crowdsurfer wach. Mit dem Michael Sembello-Cover Maniac bringen Rising Insane das Publikum auch ordentlich zum Tanzen. Gleichzeitig ist der Abend nicht nur von Party geprägt: Sänger Aaron Steineker findet deutliche Worte für den Zustand der Welt – eine Welt voller Angst, Hass und Chaos – während man in Oelde friedlich feiern könne. Sein Appell: „Lasst uns das nicht hinnehmen!“ Das Publikum antwortet darauf mit Applaus. Nach etwa vierzig Minuten räumen Rising Insane die Bühne. Ein gelungener Auftakt.

Eine Umbaupause folgt, bevor um 19:30 Uhr der nächste Act ansteht: Mit Callejon hat sich das Oelde Open Air für seinen Metal-Tag einen Hochkaräter des deutschen Metalcore gesichert. Die eröffnen den Abend in bester Callejon-Manier mit Gesellschaftskritik in Reinkultur: der 2025er Single CBRTRK. Was folgt, ist ein stimmungsvoller Cocktail, ein Tanz auf dem schmalen Grat zwischen beinahe asozialer Partymucke (beispielsweise durch Palmen aus Plastik  und Sommer Liebe Kokain), düsterer Poesie (wie Dunkelherz und Die Krähe mit dem Schädelbauch) und politischen Botschaften (Wir sind Angst und das Ärzte-Cover Schrei nach Liebe). Die Düsseldorfer verstehen es wie kaum jemand anderes, diese Mischung zu bedienen, ohne dass es sich geschmacklos anfühlt. Das ganze wird charmant moderiert von Sänger Bastian Sobtzick, der das Publikum stets mit „Meine lieben Freunde“ adressiert. Damit die Stimmung nicht abbricht, verkündet er außerdem, er habe verlernt zu trinken, wenn es keinen Applaus gibt. Eine charmante Art, um das Publikum zum Klatschen zu bringen. Auch wenn es solche Kniffe gar nicht braucht, denn der Pit tobt auch so und der erste Einhornritt passiert schon im ersten Viertel des Sets.

„Das ist live“, kommentiert Sobtzick den Ausfall der Gitarren bei Die Krähe mit dem Schädelbauch, ehe er die Zwangspause kunstvollOelde-02-Callejon-169 nutzt, um ein neues Callejon-Album anzuteasern. Details dazu gibt es nicht, aber die Empfehlung, auf Social Media reinzufolgen. Ein weiteres Highlight: der so wortgewandte Sobtzick wirkt für einen Moment sprachlos vor Entzücken, als sogar ein Rolli-Fahrer sich dem Strom an Crowdsurfern anschließt. Bei Snake Mountain (eine Ode an die Kindheit als Masters of the Universe-Fan) fordert Sobtzick das Publikum schließlich zu einer Wall of Love auf. Das lässt sich das Publikum nicht zweimal sagen. Kuschelig wirds, aber eher nicht so liebevoll. Zum Abschluss gibt es dann mit Porn From Spain 2 noch einmal richtig Party, ehe Callejon nach einer guten Stunde die Bühne verlassen. Die Umbaupause danach ist nicht nur verdient, sondern auch nötig, um die Gemüter wieder etwas abzukühlen.

Setlist Callejon:

01) Intro – 02) CBRTRK – 03) Palmen aus Plastik – 04) Dunkelherz – 05) Dieses Lied macht betroffen – 06) Tor des Todes – 07) Trauma – 08) Wir sind Angst – 09) Sommer, Liebe, Kokain – 10) Mary Shelley – 11) Die Krähe mit dem Schädelbauch – 12) Snake Mountain – 13) Kind im Nebel – 14) Metropolis – 15) Schrei nach Liebe – 16) Porn From Spain 2

Schließlich geht es zum Finale des Abends: Um 21 Uhr fällt der Vorhang und Beyond the Black brechen mit Break the Silence die Stille. Die Atmosphäre, die die Symphonic Metal Band kreiert, unterscheidet sich deutlich von den beiden Acts vorab. Es wird etwas ruhiger im Publikum, die Moshpits ruhen, dennoch wird getanzt, gesungen, geheadbangt, während Beyond the Black mit epischen Klängen und ansprechenden Visuals eine magisch-mystische Atmosphäre schaffen. Der Band ist die Spielfreude ebenso anzusehen wie den Fans der Spaß an der Musik. Sängerin Jennifer Haben überzeugt dabei mit einer Stimmgewalt, die in der Lage ist, Ganzkörpergänsehaut zu verursachen. Dass mittlerweile die Sonne untergegangen ist und die Nacht Einzug über dem Vier-Jahreszeiten-Park erhält, verstärkt die besondere Stimmung noch weiter.

Oelde-03-Beyond-the-Black-71Das Set ist ein spannender Mix: Neben dem aktuellsten Album Break the Silence, welches im Januar 2026 erschien und mit dessen Titeltrack das Set eröffnet wurde, ist am stärksten das Debütalbum Songs of Love and Death aus dem Jahr 2015 vertreten. Gemeinsam machen die beiden Alben mehr als die Hälfte des gesamten Sets aus, dazwischen finden sich Songs aus den weiteren Veröffentlichungen der Band, wie die Songs Hysteria, Written in Blood oder Reincarnation. Besonders stimmungsvoll wird es beim Song Ravens, für den Jennifer Haben mit riesigen goldenen Flügeln auf der Bühne erscheint – ein weiterer, stilvoller Gänsehautmoment und ein Beweis dafür, dass Beyond the Black sich und ihre Musik durchaus in Szene zu setzen wissen.

Die Performance der Band ist auch aus einem weiteren Aspekt beeindruckend: Wer genau hinschaut, sieht an diesem Abend einen kleinen, kaum auffälligen Verband an der Hand von Gitarrist Chris Hermsdörfer. „Anfang der Woche bekam ich einen Anruf von meinem Gitarristen“, erzählt Sängerin Haben. Dieser habe eine gute und eine schlechte Nachricht für sie gehabt. Die schlechte: Sein kleiner Finger sei gebrochen. Die gute: Er habe das komplette Set durchgespielt, es funktioniere. Tatsächlich ist der Verband der einzige Hinweis auf seine Verletzung. Spielerisch merkt man nichts davon. 

Schließlich neigt sich der Abend seinem Ende: Mit Running to the Edge und Hallelujah verabschieden sich Beyond the Black vom Publikum und es wird Zeit, aufzubrechen. Das Oelde Open Air war auch in diesem Jahr, welches das fünfjährige Jubiläum markiert, ein voller Erfolg. Und die nächste Ausgabe zeigt sich bereits am Horizont: mit den H-Blockx steht der erste Headliner für 2027 bereits fest. Es bleibt spannend, wer sich zum Line-Up hinzugesellen wird. Sicher ist: man wird sich in Oelde nicht lumpen lassen. Das Festival, organisiert von Musikliebenden und mit der Unterstützung von vielen lokalen Sponsoren und ausgerichtet mit Herzlichkeit, Herzblut und jeder Menge Spaß, ist ein absolutes Highlight und sicherlich auch im kommenden Jahr einen Besuch wert.

Setlist Beyond the Black:

01) Break the Silence – 02) Hysteria – 03) Rising High – 04) Heart of the Hurricane – 05) Reincarnation – 06) Songs of Love and Death – 07) Synth Medley – 08) Ravens – 09) The Flood – 10) Lost in Forever – 11) Written in Blood – 12) Let There Be Rain – 13) When Angels Fall – 14) Shine and Shade – 15) In the Shadows – Zugaben: 16) The Art of Being Alone – 17) Running to the Edge – 18) Hallelujah

Berichterstattung / PhotoCredits: Olivia Zöllner 

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