IMPARITY – Aus Schmerz erwächst ein neues Kapitel
Für IMPARITY beginnt ein neues Kapitel: Der schmerzhafte Verlust ihres Bassisten Greg hat tiefe Spuren hinterlassen. Doch wie Phönix aus der Asche richtet sich die Band neu aus. Mit dem Einstieg von Bassist Christian, der mit seinem eigenen Stil und frischen Impulsen neue Akzente setzt, entsteht aus Trauer und Umbruch neue kreative Energie – hörbar auf der aktuellen EP „City of Broken Dreams“.
Hallo und erstmal herzlichen Glückwunsch zu „City of Broken Dreams“! Wie geht es euch gerade?
Stefan: „Hallo Radu, vielen lieben Dank für das Interview und deinen Support! Danke für deine Glückwünsche! „City Of Broken Dreams“ ist ein ganz besonderes Release für uns. Es markiert zum einen den Einstieg von zwei neuen Musikern nach einer sehr schwierigen Zeit für uns: Christian und Heiko, die unseren Sound sehr stark – wir hoffen doch sehr zum Positiven – beeinflussen. Zudem sind wir erstmals akustisch zu hören. Das war eher eine spontane Idee, weil wir ein kleines Akustik-Set für eine private Veranstaltung einstudiert haben.“
Es gab bei euch einige Besetzungswechsel: Christian ist bei euch am Bass und mit Heiko gibt es nun Violine und Synthesizer zu hören. War es schwer, neue Leute zu finden, und wie hat sich das auf euer Songwriting ausgewirkt?
Stefan: „Mit Christian und Heiko war es eigentlich wie immer im Leben – man sucht schon fast verzweifelt nach einer Lösung und am Ende kommt diese von ganz alleine. Wir haben nach dem plötzlichen Tod unseres Bassisten Greg eine Suchanzeige gestartet und mit recht vielen Bassisten geschrieben und teils auch geprobt. Aber irgendwie war die richtige Besetzung nicht dabei. Plötzlich hat sich Christian bei uns gemeldet und wir haben sofort gemerkt – das ist es. Bei Heiko war es ähnlich. Wir waren schon länger im losen Austausch und haben auch einmal zusammen geprobt. Allerdings war Heiko zu diesem Zeitpunkt noch an eine andere Band gebunden. Auch hier hat sich dann etwas später ganz natürlich ein Einstieg ergeben.“
Markus: „Das Songwriting ist dadurch in der Tat nicht einfacher geworden, da Heiko aus Krefeld kommt und genauso wie Eva eine längere Anfahrt hat. Daher sind gemeinsame Proben eher rar und finden vor allem vor den Konzerten statt. Wir anderen drei treffen uns oft, meistens einmal die Woche, und erarbeiten neue Songideen, die wir dann aufnehmen und Eva und Heiko zusenden. Da vor allem Violine und Gesang aufeinander abgestimmt werden müssen, dauert das Songwriting so doch eine ganze Ecke länger als vorher. Aber die Zeit muss man sich halt nehmen, wenn man gute Ergebnisse haben möchte.“
Heiko: „Man muss das Songwriting an die gegebenen Möglichkeiten anpassen. Es wird also etwas im Proberaum aufgenommen und an Eva und mich geschickt. Das klappt gut, denn meistens kommen beim ersten Hören schon Ideen für Klänge und Klangfarben, die ich im Song vermisse. Da ich ursprünglich ja nicht aus der Metal-Welt komme, fehlt mir etwas, wenn ich den puren Sound von Gitarre, Bass und Drums höre. Ich möchte mehr Farben in der Musik unterbringen und suche daher am Synthesizer nach Klangflächen, die genau das ergänzen, was noch nicht da ist. Auch kann eine Geige die hellen Klänge ergänzen, die ja nun mal nicht dabei sind. Im Intro von „City“ tauchen zum Beispiel Klänge auf, die es bisher noch nicht so bei Imparity gab. Wir diskutieren dann ab und an die Frage, ob ich den Metal-Geist zu sehr zerschieße, wenn ich meine klassischen Ideen einbringen will.“
Auf Bandcamp kann man die limitierte CD erwerben, die ihr eurem verstorbenen Freund Greg gewidmet habt. Ich hoffe, dass die Frage nicht unangenehm ist, aber stand für euch auch einmal die Frage im Raum, mit Imparity komplett aufzuhören? Ich persönlich finde es gut, dass ihr weitermacht und kann mir vorstellen, dass Greg dies ebenfalls begrüßen würde.
Stefan: „Natürlich spuken nach so einem plötzlichen, unerwarteten und unglaublich schmerzhaften Verlust tausende Fragen durch den Kopf. Greg hat Imparity in den letzten Jahren sehr stark geprägt, uns musikalisch und soundtechnisch auf ein neues Level gehoben und ebenso unser Songwriting mitgestaltet. Zudem war Greg menschlich – als unser Freund – eine große Stütze der Band.Aber für uns war sehr schnell klar: Greg hat die Band mit all seinem Herzblut gefördert. Es wäre niemals in seinem Sinne gewesen, zu diesem Zeitpunkt aufzuhören.“
Mit dieser EP knüpft ihr quasi an euer Album „Tales of Rust and Bones“ an und läutet ein neues Zeitalter für euch ein. Bereits die ersten Sekunden von „City of Broken Dreams“ starten mit atmosphärischen Synthesizern, während sich der Song entfaltet. Wie ist dieser Song entstanden und hat sich etwas an eurer Herangehensweise geändert?
Stefan: „Das hast du wirklich sehr passend analysiert – „City Of Broken Dreams“ ist die Brücke zwischen unserer bisherigen und der zukünftigen Musik! Der Song ist tatsächlich einer der ersten Songs, die wir jemals für Imparity geschrieben haben. Wir haben ihn also wieder ans Tageslicht befördert, angepasst, ausgebaut und an unseren aktuellen Sound angepasst. Wir hoffen, dass sich das Warten auf den Song gelohnt hat – denn der Bass von Christian sowie Geige und Synthesizer drücken dem Titeltrack doch sehr stark ihren Stempel auf. Wir jedenfalls lieben diesen Song und der ein oder andere erwischt sich regelmäßig dabei, diesen unwiderstehlichen Refrain nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen … ;-)“
Markus: „Das relativ rudimentäre Riff zur Strophe war wirklich das allererste, das ich für Imparity geschrieben habe. In unserer Anfangszeit war der Song auch in unserem Live-Repertoire enthalten, allerdings noch in deutlich einfacherer Form. Mit Christian haben wir ihn zusammen wieder rausgekramt und vervollständigt. Die Keys und der dezente Violinen-Einsatz geben ihm dann den schlüssigen Rest.“
Was hat es mit dem Songtitel auf sich – ist es eine persönliche Momentaufnahme oder eine fiktive Geschichte?
Eva: „Vor 20 Jahren habe ich in Berlin gelebt und versucht, mir dort ein Leben aufzubauen. Anfangs war alles aufregend, toll und spannend und ich habe viele Menschen kennengelernt, viele Partys besucht und viel Spaß gehabt. Aber dann wendete sich das Blatt und am Ende habe ich nach vier Jahren die Stadt wieder verlassen und mein Leben war ein Scherbenhaufen. Diese Erfahrung habe ich in dem Song beschrieben.“
Hand aufs Herz: Der Einsatz der Violine ist definitiv ein Upgrade für eure Songs. Auch die akustischen Versionen von „Watch The World Go By“ und „City of Broken Dreams“ haben einen ganz eigenen Charme. Wie kam es zu der Idee und könnt ihr euch vorstellen, auch weitere Songs im akustischen Gewand zu machen?
Markus: „Wir haben auf einer Geburtstagsfeier von Heiko drei Songs als akustische Version zum Besten gegeben und fanden sie zu gut, um sie nur einmal zu verwenden. Daher dachten wir, es wäre eine super Ergänzung für die EP, um „City of Broken Dreams“ nicht nur als Single herauszubringen. Wir könnten uns auf jeden Fall vorstellen, auch mal ein reines Akustik-Konzert zu geben, wenn es Anfragen dafür geben würde. Aber momentan liegt unser Hauptaugenmerk auf jeden Fall auf neuen Songs für die nächste Platte.“
Christian: „Definitiv können wir uns das vorstellen. Die Songs umzuschreiben und auf „akustisch“ umzusetzen hat uns allen Spaß bereitet. Es ist einiges an Arbeit, die dort drin steckt, da man nicht einfach das Arrangement 1:1 von der „plugged“-Version in die „unplugged“-Version übersetzen kann.“
Ihr habt mittlerweile auch wieder live gespielt. Wie war das für euch in eurer neuen Besetzung und wie war das Feedback des Publikums?
Stefan: „Wir sind unglaublich froh, dass wir endlich wieder live unterwegs sind. Wir fühlen uns wohl auf der Bühne und haben richtig Bock auf alle unsere anstehenden Gigs. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, neue Menschen erreicht und viele tolle Mitmusiker kennengelernt. Wir haben noch einige Gigs für dieses Jahr und jeder einzelne ist für uns etwas Besonderes.“
Christian: „Ich habe das Gefühl gehabt, vom Publikum angenommen zu werden, und habe auch nur positive Resonanzen und Erfahrungen bekommen. Vor dem ersten Gig war ich schon ein wenig gespannt, weil sich mein Bass-Sound und meine Spielart von Greg unterscheiden. Aber meine Befürchtung, auf irgendeine Art abgelehnt zu werden, hat sich danach direkt zerschlagen.“
Ihr werdet euch demnächst unter anderem mit Skyclad die Bühne teilen. Was ist das für ein Gefühl und seid ihr schon etwas aufgeregt?
Markus: „Das Konzert in Wuppertal wird von totalen Musikenthusiasten aus dem Deaf-Forever-Forum organisiert. Vier Bands, bei denen immer wenigstens einer der Musiker auch im Forum aktiv ist, und dann Skyclad als Headliner. Es wird sicher von der Location und auch von der zu erwartenden Zuschauerzahl der größte Auftritt, und natürlich ist man da dann auch etwas aufgeregt. Aber dafür wird uns dort sicher eine gute Technik erwarten und ich gehe davon aus, dass alles reibungslos klappt. Dazu kenne ich viele der durchaus anspruchsvollen Fans aus dem Forum und bin daher sozusagen von Freunden umgeben. Deshalb hält sich die Aufregung doch in Grenzen und auf jeden Fall überwiegt die Freude auf das großartige Event!“
Stefan: „Skyclad habe ich 2005 erstmals als Headliner auf dem Dong Open Air gesehen und seitdem bin ich auch Fan der Band. Entsprechend freue ich mich natürlich wie wahnsinnig auf diesen Gig!“
Gibt es schon Pläne für ein neues Album und falls ja, wie ist euer aktueller Status?
Stefan: „Wir sind bekanntermaßen nicht die schnellste Band der Welt in Sachen Songwriting. Aber gut Ding will bekanntlich Weile haben 😉 Tatsächlich haben wir schon vor der EP „City Of Broken Dreams“ an einem neuen Album gearbeitet, das „Goddess Of The Night“ heißen wird. Wir haben auch schon das Artwork in der Schublade und einige Songs geschrieben, die wir in der zweiten Jahreshälfte sukzessive auch live nutzen werden. Wann die Platte erscheint, können wir aktuell noch nicht genau sagen – vermutlich aber erst im kommenden Jahr.“
Der Schriftzug mit den Dornenranken steht euch übrigens sehr gut!
Stefan: „Danke! Wir haben wirklich ewig überlegt, ob wir unser Logo ändern sollen. Aber gerade jetzt – du hast es ja schon passend analysiert – beginnt ein neues Kapitel für Imparity und dies wollten wir auch optisch zum Ausdruck bringen.“
Christian: „Das Logo basiert auf einer Skizze, die Eva und ich in Kooperation entworfen haben, und wurde vom absolut großartigen Künstler „Wappenschmied“ umgesetzt. Er hat zudem gemeinsam mit seiner Freundin das Artwork der neuen EP gestaltet. Wir lieben seine Arbeit und können uns an der CD gar nicht sattsehen.“
Welche Pläne habt ihr für die Zukunft? Gibt es bestimmte Ziele, die ihr euch als Nächstes vorgenommen habt?
Markus: „Unser Hauptaugenmerk liegt – wie schon erwähnt – auf neuen Songs und einer neuen Platte. Auf jeden Fall würden wir uns auch sehr freuen, nächstes Jahr mal auf ein oder zwei Sommerfestivals spielen zu können. Leider ist es sehr schwer, ohne spezielle Booking-Agentur in diese Sphären vorzustoßen. Aber vielleicht ergibt sich ja etwas.“
Danke für eure Zeit und die Gelegenheit für das Interview!
Stefan: „Danke, Radu! Support the underground!“


