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Lebensfroher Folk-Rock-Abend im Rockpalast mit Saint City Orchestra

Wieder einmal verschlägt es mich an einem milden Frühlingsabend zum Rockpalast in Bochum. Hier spielen heute Abend Saint City Orchestra eine Headline-Show ihrer This Ain’t Quiet Tour zum Ende März erschienen gleichnamigen Album. Es verspricht ein extrem tanzbarer Abend zu werden. Als ich kurz nach Öffnen der Türen an der Venue ankomme, ist noch nicht allzu viel los. Es dauert auch eine Weile, bis der Clubraum sich füllt und obwohl der Ticketanbieter zuvor eine „hohe Nachfrage“ für das Event angezeigt hatte, bange ich schon ein bisschen, dass Saint City Orchestra den langen Weg aus St. Gallen in der Schweiz bis ins Ruhrgebiet angetreten haben, um vor einem halbleeren Raum zu spielen.

Als dann aber um kurz nach acht Uhr das Konzert beginnt, ist die Hütte doch ordentlich voll, sowohl unten im Bereich vor der Bühne als auch oben auf der kleinen Empore und auf den Treppen. Die erste kleine Überraschung des Abends: Es gibt tatsächlich keine Vorband. Das hatte sich schon ein bisschen angekündigt, denn weder auf den Socials der Band, noch auf der Webseite der Venue war jemand aufgeführt, aber es wäre nicht das erste Mal, dass dann spontan doch irgendein lokaler Act zum Einheizen auf der Bühne steht. An diesem Abend erobern aber Saint City Orchestra selbst direkt die Bühne. Das fühlt sich schon ein bisschen ungewohnt an, wo die letzten Shows, die ich dieses Jahr besuchte, nie unter 2 Support-Acts auskamen.

Saint-City-Orchestra-12

Es zeigt sich jedoch schnell, dass die Schweizer auch gar keinen Opener brauchen. Die Band, welche sich auf Touren mit Fiddler’s Green, Versengold und letztes Jahr auch beim Wacken ein stabiles, Folk Punk-hungriges Publikum aufgesammelt hat, hat von der ersten Sekunde an den Club im Griff und heizt der Menge mit dem Opener This Ain’t Quiet von Anfang an ordentlich ein. Mit Louder Than Regret geht es gleich mit mitsingbarem Ohrwurmpotential weiter. Das Publikum springt darauf an, hüpft, tanzt und grölt mit. Die Stimmung ist wirklich von Anfang an großartig und sämtlichen Menschen im Raum ist die gute Laune, die der lebensfrohe Folk Punk von Saint City Orchestra mit sich bringt, deutlich anzusehen.

Mit Back In Town geht es auch erst einmal weiter mit dem neuesten Album, von dem an diesem Abend viele Songs live performt werden, bevor mit Burn auch ein Song vom Vorgänger Unified erklingt. Zugegeben, ich hatte mir vor der Show noch nicht die Zeit genommen, das neue Album in Gänze anzuhören und kannte nur einzelne Singles. Bereits von ihren Supportshows für Fiddler’s Green wusste ich jedoch, dass Saint City Orchestra die Macht haben, das Publikum mitzureißen, auch wenn man keinen einzigen Song kennt. Das bestätigten sie an diesem Abend, denn auch ohne das neue Album zu kennen hatte ich jede Menge Spaß und eine fantastische Zeit.

Mit dem Tam Lin Jig fand auch ein irisches Traditional einen Platz in der Setlist, bei dem Geigerin Mélodie Pican ihre ganz eigene Time ToSaint-City-Orchestra-114 Shine bekam. Allgemein war es eine große Freude, den Musikern auf der Bühne zuzuschauen. Showmäßig wurde ordentlich etwas geboten. So bat Sänger Sandro Schmid den vermutlich jüngsten Gast des Abends – ein kleines Mädchen, die in der Front Row ihre ganz eigene Party feierte – vor einem Song auf die Bühne (und nahm seinen Erziehungsauftrag sehr ernst, als er zum Beispiel beim Middlefinger Song erklärte, dass sie das, was jetzt käme, nur hier auf diesem Konzert tun dürfe). Später wurde sogar eine ganze Gruppe an Gästen auf die Bühne zum Tanz eingeladen. Zum Ansporn, oder zur Belohnung, gab es ein Freibier. Für Rose Tattoo und Battlefield machten sich Geigerin Mélodie Pican und Akkordeonspieler Gabriel Eschenmoser auf einem Case auf den Weg durchs Publikum. Später wiederholten sie den Ausflug, dieses Mal ohne Akkordeon, denn der Akkordeonist trug die Geigerin auf seinen Schultern durch den Saal. Nicht fehlen durfte außerdem die Hymne auf ihre Heimat St. Gallen, Saint City My Pride.

Auch ohne Vorband war es ein ordentlich langer Abend, denn Saint City Orchestra spielten ein langes, doch absolut kurzweiliges Set, welches sie mit den Zugaben Roana sowie dem Flogging Molly-Cover Drunken Lullabies als Zugaben abschlossen.

Insgesamt hat der Abend so viel Spaß gemacht, dass ich noch an diesem Abend beschloss, dass er eine Wiederholung wert ist. Und so landeten bereits die Tickets für ihren nächsten Besuch im Revier, und zwar im Herbst in Oberhausen, in meinem Warenkorb. Für all jene, die also Bock auf ein bisschen Folk Punk, ganz viel Tanzen und jede Menge gute Laune haben, lautet die gute Nachricht, dass es im September und Oktober noch einmal etliche Shows in Deutschland gibt, bei denen man mit den St. Gallenern ausgelassen feiern kann.

Setlist:

01) This Ain’t Quiet – 02) Louder Than Regret – 03) Back in Town – 04) Burn – 05) Boys in Green – 06) Hairy Grizzly – 07) Tam Lin Jig – 08) Knights & Thieves – 09) Suicide Bobby – 10) Heavy Heart – 11) Drink About It – 12) Hell Bash – 13) Rose Tattoo + Battlefield – 14) Saint City My Pride – 15) Middlefinger Song – 16) Roana – 17) Drunken Lullabies

Berichterstattung / PhotoCredits: Olivia Zöllner 

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