Specials

Alben, die unser Leben verändert haben (Part I)

 

Jeder, der Musik fühlt, kennt es; da ist dieser eine Song, der dich eiskalt erwischt, völlig überraschend eine Gänsehaut beschert und etwas in dir erweckt, von dem du nicht einmal wusstest, dass es das gibt. Du wirst süchtig nach dem Song, hörst das komplette Album und schließt es direkt in dein Herz.
Genau um diese Alben soll es in unserem Special gehen, denn auch wenn wir gemeinsam mit den Alben altern, so bleiben die Erinnerungen daran ewig jung. René , Olivia und Radu erzählen euch Geschichten, welche Alben ihre Welt komplett auf den Kopf gestellt haben. Vorhang auf für unsere persönliche Reise durch das Leben und die Musik.

Den Anfang macht René:

AC/DC- „If You Want Blood You´ve Got It“ 1978

Dieses Live-Album ist die erste wahrgenommene Musik, an die ich mich erinnern kann. Schuld daran ist mein acht Jahre älterer Bruder, mit dem ich mir ein Kinderzimmer teilen musste und der permanent Sachen wie Kiss, Smokie und ganz viel AC/DC hörte. Daher bin ich dem lieben Steffen – den ich als meinen besten Kumpel bezeichnen würde und mit dem ich bis heute gemeinsam Konzerte besuche – zu tiefstem Dank verpflichtet, dass er mir den Weg zu einem ordentlichen Musikgeschmack ebnete. Da wir in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind, kursierte das Album zunächst nur als Tape-Kopie, die mein Bruder von einem Klassenkameraden bekommen hatte. Erstaunlicherweise schon kurz nach dem Erscheinen der Original-Scheibe, als Bon Scott noch unter den Lebenden weilte, konnten wir diese rot/schwarze AGFA C-60-Kassette aus dem Westen hoch und runterlaufen lassen. Leider existiert das Tape schon lange nicht mehr, aber ich sehe es mit seiner grünen Beschriftung noch ganz genau vor mir! „If You Want Blood…“ ist mein absolutes Lieblingsalbum aller Zeiten. Noch heute bekomme ich eine meterdicke Gänsehaut, wenn nach Aufsetzen der Nadel das Publikum jubelt und die ersten Akkorde von „Riff Raff“ erklingen. Dieses Gefühl lässt sich absolut nicht in Worte fassen! Außer auf den anderen Platten von AC/DC ist mir keine weitere Aufnahme bekannt, bei der eine Band so arschtight zusammenspielt, wie auf diesem Hammer-Album! Ich kann beim besten Willen keine bestimmte unter den zehn enthaltenen Nummern hervorheben, aber neben dem erwähnten Opener beeindrucken mich vor allem die euphorischen Publikumsreaktionen bei „The Jack“ und „Whole Lotta Rosie“ sowie das mit einem herrlichen Angus-Solo gekrönte „Let There Be Rock“. Von sämtlichen Studioversionen, die ich erst spät entdeckte, war ich zunächst ziemlich enttäuscht, weil sie irgendwie nicht an die Power der größtenteils in Glasgow aufgenommenen Liveversionen herankommen. Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch eine einzige Scheibe hören dürfte, würde meine Wahl ohne zu zögern auf diese hier fallen! Das ein Jahr später veröffentlichte „Highway To Hell“ hat für mich allerdings fast den gleichen Stellenwert! AC/DC forever!! Danke, Bruderherz!

ACCEPT – „Restless And Wild“ 1982

Obwohl „Metal Heart“ (1985) meine absolute Lieblingsscheibe der Solinger ist, war „Restless And Wild´“ das erste komplette Album, welches ich von der Band zu Gehör bekam. Nachdem mein Bruder mich schon mit Songs wie „Burning“ oder „I´m A Rebel“ angefixt hatte, gelangte irgendwann eine Kassette mit dem vollständigen „Restless…“-Album in meine Hände. Leider kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern, wem sie gehörte. Die beiden Songs „Princess Of The Dawn“ und „Shake Your Heads“ kannte ich bereits aus dem Radio, hatte aber keine Ahnung, von welchem Album sie stammten. Wie sicherlich unzählige andere auch, hatte ich beim Erklingen des „Heidi Heido Heida“-Intros keinen Schimmer, dass mich gleich der schnellste und härteste Song überrollen wird, den ich bis dato zu Gehör bekommen hatte. Ich brauche hier sicherlich niemandem zu erklären, was für ein unglaublicher Abriss „Fast As A Shark“ ist. Immerhin zählt das Stück zu den größten Klassikern der Metal-Geschichte. Der Song wird gemeinsam mit „For Those About To Rock“ von AC/DC und dem bandeigenen „Metal Heart“ für immer der beste Album-Opener aller Zeiten bleiben! Eine ganze Weile war es mir ein völliges Rätsel, was Trommler Stefan Kaufmann da überhaupt anstellt. Mangels Bildmaterial, das damals hinter der scheiß Mauer einfach nicht existierte, hatte ich keinen blassen Schimmer, dass es so etwas wie Doublebass-Drumming gibt und konnte mir absolut keinen Reim darauf machen, wie dieses Trommelfeuerwerk zustande kommt. Aber auch das gedoppelte Gitarrensolo zimmert mir noch heute bei jedem Hören ein breites Grinsen ins Gesicht. Insgesamt gibt es für mich  keinen einzigen schwachen Ton auf diesem nahezu perfekten Album. Vom hymnischen Titelsong über das rockige „Get Ready“ bis hin zum knallharten „Demon´s Night“ oder dem leicht kommerziellen „Don´t Go Stealing My Soul Away“ gibt es ausschließlich Volltreffer. Auch das originale Album-Cover mit den brennenden Flying V´s dürfte eines der bekanntesten Heavy-Metal-Cover sein. Obwohl ich auch großer Fan der aktuellen ACCEPT-Alben bin, könnte ich bei Konzerten gut und gerne auf die Darbietung der „Restless And Wild“-Songs verzichten, die kein anderer als Original-Sänger Udo Dirkschneider singen sollte. Im Prinzip sollte man diese Regel sogar gesetzlich verankern. Drummer Stefan hat mich übrigens mit seinem Stil beeinflusst wie kein anderer. Ich glaube, von alten AC/DC-Sachen abgesehen, habe ich als Heranwachsender keine anderen Songs öfter versucht nachzuspielen, als die von „Restless And Wild“ und dem Nachfolger „Balls To The Wall“ (1983). Vor einigen Jahren durfte ich mich ausgiebig mit meinem Hero, Stefan Kaufmann, über seine Karriere unterhalten und habe dabei etliche Sachen erfahren, die mir sogar als Die-Hard-Fan stellenweise völlig neu waren. Alleine aufgrund dieses Albums hätten ACCEPT einen viel größeren Status in der internationalen Szene verdient!

HELGE SCHNEIDER – „Es gibt Reis, Baby“ 1993

Irgendwann im Jahre 1993 besuchte mich mein Kumpel Steffen C. und hatte das gerade frisch erschienene Original-Tape von „Es gibt Reis, Baby“ dabei, welches ihm der Chef unseres örtlichen Plattenladens „aufgeschwatzt“ hatte. Mit den Worten: „Kennst du den? Das musst du unbedingt hören!“ hielt er mir die Kassette unter die Nase und schob mich förmlich Richtung Anlage. Der Name war mir ein Begriff, ich konnte mich aber nicht entsinnen, schon mal irgendwelche Aufnahmen von ihm gehört zu haben. Das eröffnende Stück fand ich eher albern als lustig, aber was dann an Erzählungen und abgefahrenen Songs folgt, hatte ich in dieser Form bis dato noch nie gehört. Ich kann mich noch erinnern, dass wir das Tape immer wieder stoppen mussten, weil uns die Bäuche vor Lachen weh taten. Das war wirklich eine unfassbare Erfahrung! Wer mit Helge vertraut ist, weiß natürlich, was man geboten bekommt. Einem Neuling jedoch zu erklären, welche Mischung aus intelligentem Quatsch und unglaublich hoher Musikalität hier dargeboten wird, ist aus meiner Sicht unmöglich. Die Kassette lief in den nächsten Wochen in Dauerbetrieb, bis man die Gags bis auf die letzte Silbe mitsprechen konnte. Schnell war auch ein großer Teil des Freundeskreises infiziert. Getoppt wurde das Ganze noch vom meinem ersten Helge-Konzert 1994 in Leipzig. Auch dieses Erlebnis vermag ich nicht in Worte zu fassen! Wer die Gelegenheit hat, den Meister auf einer Bühne sehen zu können, sollte das unbedingt tun. Das damalige Konzert wurde noch in derselben Dreierbesetzung gespielt, die auch auf dem Album zu hören ist. Hardcore nannte sich die Band damals, existiert aber schon lange nicht mehr. Seit damals bin ich absoluter Helge-Fan und habe ihn seither auf fast jeder Tournee gesehen. Leider durfte ich den Meister bisher noch nicht persönlich treffen. Für mich ist er der großartigste Entertainer aller Zeiten! Mein persönliches Helge-Lieblingsalbum ist zwar „Es rappelt im Karton“ (1995), aber mit „Es gibt Reis, Baby“, das im Prinzip keinen Deut schlechter ist, fing für mich alles an. Songs wie „Telefonmann“, „Buttersong“ oder das Titelstück sowie die Erzählungen „Operette für eine kleine Katze (Orang Utan Klaus)“ und „Das alte Reinhold-Helge-Spiel“ sollte jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben gehört haben. Helge for President!

MY INSANITY – „Still Dreams In Violent Areas“ 1999

In der Rubrik „Alben, die mein Leben verändert haben“ muss ich natürlich auch eine Scheibe erwähnen, auf der ich selbst mitgespielt habe. Da kommt am ehesten das My Insanity-Debüt-Album in Frage. Aufgenommen im Sommer 1998 war dies – genau wie für meine damaligen Bandkollegen – mein erster Aufenthalt in einem professionellen Tonstudio. Die Rede ist hier von den berühmten und damals ziemlich angesagten Woodhouse Studios in Hagen. Es wäre utopisch, alle erfolgreichen Scheiben aufzuzählen, die dort entstanden sind. Aber die Beispiele „Passage“ von Samael, „Wildhoney“ von Tiamat, „Nighttime Birds“ von The Gathering oder „Down“ von Sentenced dürften reichen, um zu verdeutlichen, mit welchem Kaliber es man hier zu tun hat. Selbst Rock-Legenden wie Udo Lindenberg – den ich ein Jahr später an gleicher Stelle kennenlernen durfte – und Peter Maffay, waren im Woodhouse zugange. Beim ersten Betreten der heiligen Hallen, in denen u.a. auch die Cover der aufgeführten Beispielalben an den Wänden hingen, machte sich eine große Nervosität breit. Immerhin sollten wir sechs Grünschnäbel aus dem Osten hier ein international konkurrenzfähiges Album zustande bringen. Meiner Meinung nach ist uns das auch gelungen. Die unzähligen positiven Reviews aus aller Welt geben mir da sogar recht. Den Aufbau meines Drumsets sowie den anschließenden Soundcheck unter Aufsicht des Studiobesitzers Siggi Bemm, der damals einen Ruf als „Schleifer“ oder „Antreiber“ hatte, sehe ich noch genau vor mir. Vor den ersten Aufnahmetakes war ich ziemlich aufgeregt. Unser Produzent Xy von der Schweizer Band Samael war aber die Ruhe in Person und brachte mich durch seine fokussierte Art dazu, die elf Stücke in etwas mehr als zwei Tagen aufs Band zu zimmern. Tatsächlich wurde damals noch mit riesigen Bandmaschinen aufgenommen. Ein ständiges Editieren und Geradeziehen der Aufnahmen – wie es heutzutage leider üblich ist – war nicht möglich, sodass ich jeden Song fehlerfrei komplett durchspielen musste. Ein Reinschneiden wurde nur in seltensten Ausnahmefällen durchgeführt. Da musste noch richtig gearbeitet werden! Umso stolzer bin ich aber noch heute auf das Endergebnis! Den nicht mehr ganz zeitgemäßen Drumsound finde ich persönlich immer noch mega-gut. „Lebensverändernd“ ist die Scheibe aber hauptsächlich deshalb, weil ich in diesem Zusammenhang viele tolle Menschen kennenlernen durfte, die ich bis heute zu meinen engen Bekannten und sogar Freunden zählen kann. Da wären als erstes der bereits erwähnte Siggi Bemm und seine Frau Antje, die sich selbst als Fans von My Insanity und der quasi Nachfolgeband Jacob´s Fall bezeichnen. Das macht mich unheimlich stolz! Als Nächstes ist da Produzent Xy, mit dessen Band Samael wir später viele lustige Stunden erleben durften. Weiter geht es mit Waldemar Sorychta, der damals ebenfalls regelmäßig im Woodhouse zugange war und uns bei einigen Gitarrenspuren half. Damals ebenfalls zugegen waren die Jungs von Moonspell, die in einem anderen Aufnahmeraum unter dem Namen Demonarch ein Black Metal-Album fabrizierten. Die gemeinsamen Abende vorm Studiofernseher, an denen wir uns die Spiele der Fußball-WM reinzogen, werde ich niemals vergessen. Kurz nach Veröffentlichung von „Still Dreams…“ gingen wir gemeinsam mit Samael, Grip Inc. und Lacuna Coil auf eine kleine Tournee. Zu letzteren besteht seit damals eine Freundschaft, die mir viel bedeutet. Außerdem konnte ich auf der Tour jeden Tag Zeit mit einem meiner Drum-Idole – nämlich Dave Lombardo, der ja bekanntlich bei Grip Inc. trommelte und sich als völlig sympathischer, bodenständiger Zeitgenosse entpuppte – verbringen. Ich könnte jetzt noch tausend weitere Sachen aus dieser Zeit aufführen, aber das würde wohl den Rahmen sprengen. Wer das Album nicht kennt und auf Gothic-angehauchten Metal steht, sollte auf jeden Fall mal reinhören.

METALLICA – „The $ 5.98 E.P. – Garage Days Re-Revisited“ 1987

Zwar handelt es sich hier nur um eine 5-Song-EP, die aber dafür verantwortlich ist, dass Metallica zusammen mit AC/DC und Accept zu meinen Top-3-Faves gehören. Zwar war mir die Band schon eine ganze Weile vor Erscheinen der EP bekannt, aber so richtig aus den Socken hauten mich „Ride The Lightning“ und „Master Of Puppets“, die ich damals wie üblich als tausendfach kopierte Tapes besaß, komischerweise nicht. Irgendwie fand ich Hetfield´s Stimme für diese Art von Musik damals nicht heavy genug. Da hörte ich mir lieber das raue Gekreische von Accept, Venom oder den frisch entdeckten Kreator an. Kurz nach Release der EP lief diese bereits komplett im DDR-Radio, wo öfter mal komplette Alben zum Mitschneiden gesendet wurden. Beim ersten Hören war mir gar nicht bewusst, dass es sich ausschließlich um Coverversionen handelte, da mir kein einziges der Originallieder bekannt war. Zunächst mal beeindruckte mich der fantastische Drumsound, der wirklich so rüberkommt, als ob man direkt im Proberaum der Herren steht. Das gilt auch für den erstklassigen Klang der Gitarren und des Basses. Den größten Eindruck hinterließ jedoch die rotzige Stimme, die mich vielmehr ansprach, als auf den Longplayern. So richtig kann ich es nicht in Worte fassen, aber die Scheibe hat mich von Anfang an gepackt. Jeder Song ist ein absoluter Ohrwurm, und obwohl die Stücke von völlig unterschiedlichen Interpreten stammen, wirken die fünfundzwanzig Minuten wie aus einem Guss. Ich weiß noch, dass sich auf der A-Seite der 60er ORWO-Kassette (20 Ostmark!) Slayer´s „Reign In Blood“ befand, die aber praktisch keine Chance gegen meine neuen Lieblinge hatte, da ich die B-Seite auf Dauerbetrieb laufen ließ. Seit Ende 1987 bin ich Die-Hard Metallica-Fan und kann mit Ausnahme des „Lulu“-Desasters mit jeder ihrer Scheiben etwas anfangen. Niemals werde ich mein erstes Metallica-Konzert am 19.05.1990 in der Messehalle Hannover vergessen. Da die Währungsunion noch nicht besiegelt war, durften 1000 Fans aus dem Osten Tickets für 60 Ostmark erwerben, die man über die Radiosendung Tendenz Hard bis Heavy bestellen konnte. Im Vorprogramm spielten die Ost-Berliner Merlin, Warrior Soul, Bonham und Dio. Das alles interessierte mich aber nicht, da ich den ganzen Tag auf meine Helden gewartet habe. Als ich in der ersten Reihe stand und das Intro „Ecstasy Of Gold“ startete, liefen mir dicke Freudentränen die Wangen herunter. Ich konnte es nicht glauben, dass ich gleich meine Lieblingsband live erleben werde! Mit „Creeping Death“ begann dann ein zweieinhalbstündiger Abriss, bei dem mit „Helpless“ und „Last Caress“ auch zwei Songs der EP gespielt wurden. Von Metallica´s eigenen Werken ist „…And Justice For All“ mein Favorit, aber die EP wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herz einnehmen!

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