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THIRD CLASS PARTY im Interview: Stimmung auf dem Unterdeck

Interview mit Mia Callaghan und Paddy Maguire zum Bandrelease

Als wir uns vor wenigen Tagen online mit Mia Callaghan und Paddy Maguire zusammengesetzt haben, waren THIRD CLASS PARTY noch ein gut gehütetes Geheimnis: Gemeinsam mit Jones Murphy haben sich die beiden neu formiert. Rund ein Jahr ist es her, dass mit dem plötzlichen Aus von The O’Reillys and the Paddyhats für viele Fans eine Ära endete. Seitdem stand die Frage im Raum, ob und wie es mit diesen vertrauten Gesichtern der Folk-Punk-Szene weitergeht.

Heute, am 23.10.2026, ist es offiziell: Mia (Geige und Gesang), Paddy (Gesang und Gitarre) und Jones (Schlagzeug und Percussion) sind THIRD CLASS PARTY. Ein Trio mit jeder Menge gemeinsamer Bühnengeschichte, das Folk-Punk auf das Wesentliche reduziert und dabei kein bisschen leiser werden will. Wir freuen uns sehr, dass wir pünktlich zum Release mit diesem Interview dabei sein dürfen. Jones konnte bei unserem Gespräch leider nicht dabei sein, umso mehr hatten Mia und Paddy zu erzählen: warum sich der Neustart so richtig anfühlt, wie viel Wucht in einer kleinen Besetzung steckt, was ein Ozeandampfer mit ihrem Bandnamen zu tun hat und wann es endlich etwas auf die Ohren gibt.

THIRD CLASS PARTY im Interview

Hallo Mia, hallo Paddy!

Schön, dass Ihr da seid und uns an diesem besonderen Anlass teilhaben lasst: Bandrelease – wie aufregend! Aber Unbekannte seid Ihr ja nicht in der deutschen Musikszene. Eure Gesichter sind vielen vertraut, Eure Namen ebenfalls. Was neu ist, ist die Konstellation zu dritt und der Bandname THIRD CLASS PARTY. Erzählt doch mal, wie Ihr von der Kombo „The O’Reillys and the Paddyhats“ zu diesem neuen Projekt gekommen seid.

Mia: Dass unsere Zeit bei den Paddyhats endet, war von uns so nicht geplant. Die Band hat sich ziemlich plötzlich unter unschönen Umständen aufgelöst. Für mich war aber sofort klar: Das war auf keinen Fall das Ende mit der Musik. Ich wollte wieder ein eigenes Projekt – und diesmal eines, das ich von Anfang an mitgestalte. Mit Paddy und Jones sind da genau die richtigen Menschen an meiner Seite: Mit Schlagzeug, Gitarre, Geige und zweimal Gesang haben wir prinzipiell eine funktionierende Band. Und vor allem, wir kennen und vertrauen uns seit Jahren und sind musikalisch eingespielt. Jetzt können wir aus all dieser gemeinsamen Geschichte etwas Neues bauen – und darauf habe ich wahnsinnig Bock.

Was für ein spannender Neustart!

Folk-Punk lebt ja häufig von großen Besetzungen, von den Pogues bis Flogging Molly. Wie würdet Ihr Euren Stil in dieser kleinen, feinen Crew beschreiben und was reizt Euch daran?

Paddy: Das ist eine gute Frage! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es auch in kleinerer Besetzung genauso knallen kann, was nicht bedeutet, dass wir nicht auch mal Freunde mit absurden Instrumenten auf die Bühne nehmen werden. Wir wollen noch näher mit dem Publikum sein und auf der Reise gemeinsam herausfinden, was am besten passt. Aber für den Start sind wir drei perfekt, mit dieser gemeinsamen Vergangenheit.

Mia, wer dich kennt, weiß: Mit der Geige hauchst du den Melodien maßgeblich Seele ein. Inwieweit hat sich deine Rolle und deine Spielweise durch die neue Konstellation verändert?

Mia: Mit drei Leuten bekommt die Geige natürlich automatisch mehr Raum – und den nutze ich gerne in beide Richtungen. Ich liebe schöne, melodische Linien, aber genauso gerne spiele ich hart, wild und dreckig und liebe es, wenn es ordentlich nach vorne geht.

Meine Rolle geht diesmal aber auch weit über die Geige hinaus. Ich singe mehr, möchte mich stärker ins Songwriting einbringen und kann von Anfang an Entscheidungen und Ideen mitgestalten. Auch für unsere Liveshow habe ich schon einiges im Kopf. Ich bin sehr gespannt, welche Verrücktheit davon am Ende tatsächlich auf der Bühne landet.

Paddy, wie ist es bei dir? Gibt es besondere musikalische und technische Herausforderungen, die das Spiel zu dritt mit sich bringt?

Paddy: Überhaupt nicht. Der größere Unterschied besteht für mich darin, dass wir auch mit deutlich kleinerer Crew zu Anfang reisen müssen, einfach aus finanzieller Sicht. Das ist also ein wenig unkomfortabler und menschlich schade, weil wir tolle Menschen kennen.

Wie entsteht bei Euch ein Song? Gibt es schon eigenes Material, und wann können Fans es hören?

Paddy: Songs entstehen immer unterschiedlich. Häufig ist es bei mir so, dass ich eine Phrase oder ein Melodiefragment im Kopf habe und der Rest ergibt sich dann daraus. Oft ist es auch so, dass es irgendwie gleichzeitig passiert.

Unsere erste Single soll noch dieses Jahr kommen! Außerdem arbeiten wir gerade parallel an weiteren schönen Songs.

Mia: Dabei wollen wir uns aber keine unnötigen Grenzen setzen. Wir wissen, welche Energie und welches Gefühl THIRD CLASS PARTY haben soll – und innerhalb davon darf musikalisch ziemlich viel passieren. Mit Percussion, Samples und unseren verschiedenen Stimmen haben wir außerdem viel mehr Möglichkeiten, als man bei drei Leuten vielleicht zunächst erwartet.

Spielt Ihr auch typische Klassiker des Irish Folk, oder setzt Ihr ausschließlich auf eigene Songs?

Paddy: Unser Genre vereint ja traditionelle irische Musik mit Punkrock, da ist es aus meiner Sicht immer ein schöner Moment, sich bei einem Konzert auf diese geliehenen Wurzeln zu besinnen und die musikalische Herkunft wertzuschätzen. Es muss ja nicht immer „Whiskey in the Jar“ sein, aber es gibt so viele grandiose Irish Traditionals, daher werden wir bestimmt immer wieder Versionen davon spielen.

Mia: Auf jeden Fall beides! Ich liebe Traditionals genauso wie eigene Songs. Und dann gibt es noch die Stücke, bei denen erstmal niemand erwarten würde, sie von uns zu hören. Ich mag diese Gegensätze: Folk und Punk, Traditionals und moderne Songs, leise Momente und völlige Eskalation. Genau das macht mir Spaß: einen Song zu nehmen und ihn so lange durch unseren musikalischen Fleischwolf zu drehen, bis er nach uns klingt. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn es durch und durch ein bisschen eskaliert.

Ihr kommt aus Deutschland und tragt irische Bühnennamen. Wie geht Ihr mit der Authentizitätsfrage um, die im Genre immer wieder auftaucht? Was macht irische Musik für Euch echt?

Mia: Wir behaupten ja nicht, Iren zu sein. Aber die Liebe zu dieser Musik, die Energie und das Gefühl dabei sind absolut echt. Für mich ist genau das authentisch: nicht so zu tun, als wäre man jemand anderes, sondern aus den eigenen Einflüssen etwas Eigenes zu machen. Und der Name Mia Callaghan begleitet mich inzwischen zehn Jahre auf der Bühne. Privat bin ich Jessica, aber Mia ist mit der Zeit tatsächlich ein Teil meiner Bühnenpersönlichkeit geworden. Deshalb war für mich klar, dass sie mit THIRD CLASS PARTY weiterleben wird.

Paddy: Celtic Punk ist ein Exportgenre. The Pogues sind in London erfolgreich geworden, Flogging Molly und Dropkick Murphys in den USA. Natürlich sind die stärker mit Irland verwurzelt als wir, aber heutzutage reicht das Genre von Indonesien bis Norwegen und ist in Irland selbst weniger präsent. Es ist also eine schöne Form von kultureller Wertschätzung.

Mein Vater ist großer Irlandfan, also bin ich mit The Dubliners und The Chieftains groß geworden. Mir hat die Musik gefallen, bevor ich überhaupt vernünftig Englisch verstehen konnte. Er hat mich dann auch schnell mitgenommen auf die Insel, da hat es mich dann endgültig gepackt.

Bisher kam die Frage nach der Authentizität nie auf, im Gegenteil. Menschen aus Irland feiern, was wir machen, und selbst wenn du keinen Hehl daraus machst und das ganze Konzert Deutsch sprichst, gibt es noch immer Leute, die uns am Merch dann auf Englisch fragen, warum unser Deutsch so gut ist. Falls wirklich mal jemand nach der Authentizität fragt, zeige ich ihm meinen irischen Spielerpass der GAA, denn ich habe irischen Nationalsport (Hurling & Gaelic Football) gespielt. Kölle Abú!

Der Bandname THIRD CLASS PARTY ist sicherlich nicht zufällig gewählt, oder? Was verbindet Ihr damit und welche Bedeutung hat der Name für Euch?

Paddy: Er führt zurück ins frühe 20. Jahrhundert, die Zeit der großen Ozeandampfer mit ihren drei Klassen. Die Holzklasse hatte damals nichts außer sich selbst und sie haben sich die Überfahrten mit Tanz und Musik versüßt. Genau dafür steht der Name. Wir machen keine Musik für die Hochkultur, sondern für alle, die nach Feierabend feiern wollen. Denn die dritte Klasse hat nie um Erlaubnis gefragt, sie hat einfach getanzt.

Ihr seid erfahren und eingespielt, kennt große Festivalbühnen und kleine Clubs. Wo seht Ihr Euch jetzt, und wohin zieht es Euch?

Paddy: Wir waren mit den Paddyhats auf einem sehr guten Weg. Natürlich können wir nicht eins zu eins dort anknüpfen, wo wir aufhören mussten. Wir starten aber nicht bei null, da wir unglaublich gute und liebe Menschen haben, die uns unterstützen und mit denen wir zusammenarbeiten. Diese soziale Komponente ist unsere große Stärke. Wir kennen und lieben die Szene.

Es ist ein großes Privileg, dass uns so viel Vertrauen geschenkt wird, dass wir in unserem ersten aktiven Jahr schon so große Festivals direkt spielen dürfen. Kurz: Uns zieht es dahin, wo wir Menschen mit unserer Musik berühren können!

Kommen wir zu Euren musikalischen Wurzeln: Gibt es irgendeine Platte oder einen Song, die oder der Euch jeweils zu dieser Musik geführt hat? Welche Einflüsse prägen Euren Stil?

Paddy: The Dubliners, als ich ein Kleinkind war. Erst Jahre später habe ich verstanden, worüber die da überhaupt singen. Es war so ein Schieber mit drei Best-of-CDs, die habe ich rauf- und runtergehört. Dann habe ich in der Schule meine erste Punkband gegründet, die hatte auch schon Folkeinflüsse. 2007 habe ich dann das erste Mal Fiddler’s Green und Flogging Molly live gesehen und 2010 The Pogues noch mit Shane.

Bis heute höre ich mir alle Neuerscheinungen aus der Szene an, die ich in die Finger bekomme. Drei Platten, die ich zuletzt sehr stark fand aus dem Celtic-Punk-Genre? Ogras – Join the Circus, The Rumjacks – Dead Anthems und The Dreadnoughts – Polka Pit.

Mia: Bei mir war es tatsächlich nicht die eine Platte. Ich habe früher in einer Irish-Folk-Punk-Coverband in verrauchten Pubs, auf Feiern und auf der Straße gespielt und egal wo und in welcher Besetzung wir aufgetreten sind, es war immer sofort eine grandiose Stimmung. Es kamen hauptsächlich die Klassiker vor – „Wild Rover“, „Devil’s Dancefloor“ – you name it. Es hatte für mich etwas Magisches, diese Songs selber zu spielen und somit dazu beizutragen, dass die Leute (inklusive mir selber!) eine gute Zeit haben. Man kann also sagen, dass mich diese Musik von Anfang an gepackt hat, ins Blut übergegangen ist und seitdem nicht mehr losgelassen hat.

Zum Ende noch eine neugierige Frage: Was kommt als Erstes – Single, EP, Live-Auftritte?

Paddy & Mia: Single!

Die Single also. Wir sind sooo gespannt! Dass es noch in diesem Jahr soweit sein soll, lässt uns jetzt schon ungeduldig auf die Ankündigung warten. Nach diesem Gespräch ist klar: Hier haben sich nicht einfach drei Musikbegeisterte neu sortiert, sondern drei Menschen zusammengefunden, die sich blind vertrauen, die Szene lieben und richtig Lust darauf haben, gemeinsam etwas Eigenes zu bauen. Mit leisen Momenten, Traditionals, Überraschungen und einer ordentlichen Portion Eskalation. Und mit dem Versprechen, dass jeder Mensch vor der Bühne Teil der Crew ist.

Wir freuen uns riesig, THIRD CLASS PARTY auf ihrer Reise in neuer Formation zu begleiten, und sind gespannt, was wir auf ihren Kanälen und vor allem hoffentlich bald live von ihnen erleben dürfen. Danke, Mia und Paddy, für das offene Gespräch und das Vertrauen, uns schon vorab mit an Bord zu nehmen. Und Jones: Wir sehen uns auf dem Unterdeck!

 

Durch das Interview führte:

Anna Rachow 

Redakteurin des NIC – NordMensch in Concerts Online Magazine

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